Sonntag, 23. Juli 2017

Zinswende im Euro-Land Zwischen Inflation und Schuldenkrise

Zielkonflikt: Die EZB und ihr Chef Jean-Claude Trichet wollen die Inflation bekämpfen, den schwachen Euro-Ländern aber nicht weh tun

Die EZB will Härte zeigen: Am Tag, an dem Portugal um Milliardenhilfen bitten muss, erhöht sie die Leitzinsen. Auf keinen Fall soll sich die beginnende Inflation festsetzen. Doch vor allem für Deutschland bleiben die Zinsen viel zu niedrig.

Ein Statement soll es sein, laut und weltweit vernehmbar. Seht her, wir geben uns nicht geschlagen! Wir stemmen uns gegen die weltweit auflodernden Inflationsgefahren! Der Euro bleibt hart!

Das ist das Signal, das die Europäische Zentralbank (EZB) heute aussendet, indem sie die Leitzinsen erhöht. Besser: Es ist das Signal, das die EZB aussenden will.

Denn es ist alles andere als sicher, ob es ihr gelingt, die Preissteigerungsdynamik zu brechen. Schließlich liegen die Leitzinsen bei immer noch extrem niedrigen 1,25 Prozent. Wie weit und wie schnell sie die EZB nach oben schleusen kann, ist vollkommen offen.

Drei Faktoren stehen einer entschlossenen Inflationsbekämpfung im Wege: die sich immer weiter zuspitzende Schuldenkrise, die interne Verfassung der EZB selbst und die globale Inflationsdynamik.

Spanien könnte gerade noch gestützt werden

Beginnen wir mit der Schuldenkrise: Die Entscheidung zur Zinswende kommt pikanterweise just an dem Tag, an dem Portugal - als drittes Land nach Griechenland und Irland - unter die Rettungsschirme der Euro-Zone schlüpfen muss, weil es sich am Markt nicht mehr finanzieren kann. Nun spekulieren viele Marktakteure, ob Spanien als erste größere Volkswirtschaft unter den Schirm muss.

Dann würde es kritisch für die Euro-Zone: Spanien könnte mit den jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln wohl gerade noch gestützt werden. Aber für weitere Länder würde das Geld nicht reichen. Sollte dann die Schuldenkrise auf hoch verschuldete Euro-Staaten wie Italien oder Belgien übergreifen, würde das womöglich einen unlöschbaren Flächenbrand auslösen.

Es ist dieses Szenario, das auch die Euro-Notenbanker umtreibt. Erhöhen sie die Leitzinsen zu stark, wird die fragile konjunkturelle Erholung in den nach wie vor schwachen Krisenländern erdrosselt und die Haushaltslage noch weiter verschlimmert.

Ungeliebte Interventionen

Die Euro-Banker stehen vor einem Dilemma: Allzu entschlossene Zinserhöhungen können die Unabhängigkeit der Notenbank nachhaltig beschädigen. Denn bei einer weiteren Zuspitzung der Haushaltslage, müsste abermals die EZB einspringen und Anleihen der Krisenstaaten vom Markt kaufen.

Interventionen, die die Notenbanker eigentlich nicht tätigen wollen - weil sie ihre Unabhängigkeit infrage stellen, weil sie die Inflationsbekämpfung erschweren. Interventionen, die die Euro-Banker aber im Zweifelsfall tätigen müssen - weil keine andere Institution im Euro-Raum wirklich handlungsfähig ist. (Der kürzlich beschlossene Europäische Stabilisierungsmechanismus wird erst ab 2013 zur Verfügung stehen und soll auch mit einer halben Billion Euro über begrenzte Mittel verfügen.)

Seite 1 von 2
Nachrichtenticker

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH