Samstag, 23. März 2019

Energiegipfel Schiefergas entwertet teure Pipelines

Arbeit am Pipeline-Projekt "Northstream": Die Ostseepipeline soll russisches Erdgas von Russland nach Greifswald leiten - doch gleichzeitig setzen viele Energiekonzerne auf unkonventionelle Gasvorkommen, zum Beispiel die Gasgewinnung aus Schieferstein. Und davon gibt es in Deutschland reichlich

3. Teil: Gebohrt wird von Niedersachsen bis Südchina

Das Wettrennen um Rohstoffquellen ist seitdem nicht mehr nur auf wenige Weltregionen begrenzt. Europa besitzt nach Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) 35 Billiarden Kubikmeter Schiefergas, was etwa einem Drittel der vermuteten Weltreserven entspricht. Beim jetzigen Energieverbrauch würde diese Menge für 40 Jahre reichen.

Gernot Kalkoffen, Europa-Chef von Exxon Mobil, hat schon angekündigt, einen dreistelligen Millionenbetrag in die Erdgasförderung in Nordrhein-Westfalen zu investieren. In Deutschland ist das Unternehmen auch in Niedersachsen stark vertreten. Außerhalb Deutschlands vor allem in Ungarn.

Andere Global Player teilen sich den Rest Europas untereinander auf. Conoco Phillips und Marathon Oil setzen auf den Nordosten Polens. Shell Royal Dutch probiert es im Süden Schwedens und der Ukraine. In England hat das Unternehmen IGas Energy Anfang 2010 Vorkommen vor Liverpool entdeckt. In Österreich geht der heimische Öl- und Gaskonzern OMV im Wiener Becken auf Schiefergassuche. Außerdem ist der Konzern in Ungarn und Rumänien vertreten.

Neuer Energiemix könnte teure Pipelineprojekte entwerten

Zu den künftigen Fördergebieten werden auch Nordafrika, Indien, China, Australien und Lateinamerika zählen. So haben die Chinesen bereits Verträge mit Shell geschlossen. Der Konzern soll die Technik liefern, um das Gas aus den Ölschieferfeldern in den Provinzen Shanxxi und Sichuan im Südwesten Chinas zu explorieren. Auch mit BP verhandeln die Chinesen.

Geologen der Texas A&M University schätzen, dass die in Amerika entwickelten Bohr- und Förderungstechnologien die weltweit erschließbaren Gasreserven verneunfachen. "Es gibt heute Reichweiten von mehreren Hundert Jahren", sagt Auer. Dies wirke sich auch auf den Energiemix aus. "Es entwertet zum Beispiel die geplanten Pipelineprojekte." Man müsse sich fragen, was mit dem vielen Gas geschehen solle.

Eon: Langfristige Verträge für russisches Erdgas

Auch die Regierungschefs werden sich diese Fragen in Brüssel stellen. Zumal Projekte wie das von Wintershall und Eon Börsen-Chart zeigen vorangetriebene Pipeline-Projekt North Stream und das von Gazprom Börsen-Chart zeigen und dem italienischen Versorger Eni Börsen-Chart zeigen unterstützte Pipeline-Projekt South Stream längst geplant sind. Dies gilt auch für die von RWE Börsen-Chart zeigen und der österreichischen OMV Börsen-Chart zeigen vorangetriebenen Pipeline Nabucco, die Europa unabhängiger von russischem Gas machen soll.

Schließlich lässt die neue Schiefergaswelt schon heute die Luft aus so manchem auf russischem Gas basierendem Geschäftsmodell. So bedroht das steigende Erdgasangebot vor allem die Preismacht des mit Abstand größten Erdgasförderers der Welt: Gazprom. Indirekt leiden darunter auch große Gasversorger, wie die deutsche Eon Ruhrgas oder RWE Energy.

Denn statt sich kurzfristig günstig mit billigem Gas einzudecken, haben sie oft langfristige Verträge für jenes Erdgas abgeschlossen, das durch russische Fernleitungen zischt. Für das Jahr 2011 hat Eon Ruhrgas bereits Verluste von rund einer Milliarde Euro angekündigt. In Branchenkreisen wird sogar über einen Verkauf der Eon-Tochter spekuliert.

Wenn geplante Flüssiggashäfen wie der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven erst einmal den Betrieb aufnehmen, wird sich die Wettbewerbssituation - dank steigendem Angebot - wohl noch verschärfen.

Die Gewinner stehen in diesem Szenario schon fest: "Es sind die Verbraucher", sagt Energie-Experte Auer.

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