Mittwoch, 28. Juni 2017

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Energiegipfel Schiefergas entwertet teure Pipelines

Arbeit am Pipeline-Projekt "Northstream": Die Ostseepipeline soll russisches Erdgas von Russland nach Greifswald leiten - doch gleichzeitig setzen viele Energiekonzerne auf unkonventionelle Gasvorkommen, zum Beispiel die Gasgewinnung aus Schieferstein. Und davon gibt es in Deutschland reichlich

2. Teil: Die Revolution findet in Lünne, Drensteinfurt und Düsseldorf statt

Die eigentliche Revolution im Erdgasgeschäft findet aber nicht in Israel, dem Nahen Osten oder Russland statt. Sie vollzieht sich im emsländischen Lünne, im westfälischen Drensteinfurt und im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim. Neun verschiedene Unternehmen haben sich an diesen Orten inzwischen die Rechte an insgesamt 19 Feldern für großflächige Bohrungen nach unkonventionellem Erdgas gesichert - darunter Exxon Mobil, die BASF-Tochter Wintershall und die Shell-Tochter BEB.

Unkonventionell werden die Vorkommen deshalb genannt, weil das Gas in ihnen sich nicht in durchlässigen Gesteinsschichten, sondern in kleinsten Poren und Bruchzonen im Gestein befindet. Die größten Vorkommen sind im Schiefergestein eingeschlossen.

Und davon gibt es in Nordrhein-Westfalen viel. Nach den Niederlanden verfügt das einwohnerreichste deutsche Bundesland über das zweitgrößte Gasvorkommen in Europa.

Bekannt ist das längst. Die ersten Probebohrungen nach Erdgas fanden in Nordrhein-Westfalen bereits 1963 statt. Doch erst in den vergangenen Jahren ist die neue Bohrtechnik so günstig und das herkömmliche Öl so teuer geworden, dass sich der Abbau rechnet.

Erst jetzt rechnet sich die Gasgewinnung aus Schieferstein

In den Vereinigten Staaten werden die im Schiefer verborgenen Erdgase seitdem im großen Stil aus dem Erdboden gefördert - vor allem in Texas, Louisiana, Colorado und dem Nordosten des Landes. Die geschätzten Schiefergasreserven in den USA werden auf etwa 57 Billiarden Kubikmeter geschätzt. Das würde für rund 100 Jahre des derzeitigen US-Verbrauches reichen. Daniel Yergin, Pulitzerpreis-Gewinner und einer der führenden Rohstoffexperten Amerikas, spricht von einer "Amerikanischen Gas Revolution".

Die komplexe Technik, die für die Ausbeutung der im Schiefer gebundenen Vorkommen benötigt wird, ist weltweit begehrt. Als Innovator auf diesem Gebiet gilt vor allem das texanische Unternehmen Mitchell Energy. Aber auch Industriedienstleister wie Haliburton, Schlumberger und XTO haben sich mittlerweile auf das Bohren, Knacken und Ausspülen der Gesteinsschichten spezialisiert.

"Die großen Ölkonzerne haben dieses Geschäftsfeld lange vernachlässigt", sagt Josef Auer, Energie-Experte bei der Deutschen Bank Research. "Bis 2005 ist die Branche davon ausgegangen, dass sich der Ölpreis bei 30 bis 40 US-Dollar einpendeln wird."

Als die Ölpreise bis Mitte 2008, dem Beginn der Immobilienkrise, knapp 150 Dollar pro Fass erreicht hatten, waren die Konzerne indes aufgewacht. "Seitdem stecken sie ihre Claims in diesem Wachstumsmarkt ab", sagt Auer. Vor allem Exxon Mobil hat dabei bislang die Nase vorn. Für die Übernahme von XTO zahlte der Konzern im Dezember 2009 rund 31 Milliarden Dollar.

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