Freitag, 16. November 2018

Atlantikbrücke Neuer Zoff im feinen Club?

CDU-Politiker Friedrich Merz: Probleme auf der Atlantikbrücke

Die Umsetzung überfälliger Reformen hakt. Zudem sorgen in der Eliteorganisation Atlantikbrücke, die gerade erst eine Schlammschlacht hinter sich hat, personelle Turbulenzen für Verstimmung. Und jetzt droht die chronisch klamme Organisation auch noch in Finanznot zu geraten.

Der Atlantikbrücke, einem der angesehensten Netzwerke in Deutschland, droht neuer Ärger. Der Grund: Womöglich muss die Elitegemeinschaft der früheren, langjährigen Geschäftsführerin Beate Lindemann (67) noch einen Dreijahresvertrag ausbezahlen. Damit geriete die chronisch klamme Organisation in arge Finanznot.

Der 1952 gegründete Verein, der die transatlantischen Beziehungen fördern soll, hat im Laufe der Jahre reichlich Patina angesetzt, wie viele andere traditionsreiche Karrierebünde auch. Damit diese Institutionen vom wachsenden Trend zum Netzwerken profitieren, den manager magazin in seiner aktuellen Titelgeschichte würdigt, müssen sie sich mit neuem Schwung aus ihrer Identitätskrise befreien. Die Atlantikbrücke tut sich schwer damit.

Zu den rund 500 Mitgliedern gehören namhafte Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien, wie Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, die Parteichefs Sigmar Gabriel (SPD) und Guido Westerwelle (FDP) oder die Unternehmensführer Martin Winterkorn (Volkswagen Börsen-Chart zeigen) und Jürgen Großmann (RWE Börsen-Chart zeigen). Ein erlesener Kreis, der zuletzt durch einen bizarren Machtkampf von sich reden machte.

Der Ehrenvorsitzende der Brücke, der einstige CDU-Schatzmeister Walther Leisler-Kiep, und der jetzige Vorsitzende und frühere CDU- Spitzenpolitiker Friedrich Merz hatten sich einen bissigen Schlagabtausch geliefert. Es ging um die parteipolitische Unabhängigkeit der Organisation, um den Konflikt zwischen Beharrern und Erneuerern - und um verletzte Eitelkeiten natürlich auch. Am Ende ging Merz aus dem Zwist als Sieger hervor und blieb als Kapitän auf der Brücke. Er musste allerdings einige Zugeständnisse machen.

So wurden ihm zwei neue Stellvertreter an die Seite gestellt: Burkhard Schwenker, Roland-Berger-Aufsichtsratschef, und die frühere SPD- Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn. Schatzmeister wurde Bundesbankvorstand Andreas Dombret. Die neue Führung brachte tief greifende Reformen auf den Weg.

Ein neuer Web-Auftritt soll den Austausch der Mitglieder untereinander verbessern. Mit fünf Regionalgruppen (Hamburg, Berlin, München, Frankfurt, Ruhrgebiet) will die Brücke den Zusammenhalt stärken. Und die inhaltliche Arbeit soll professioneller werden: in fünf Arbeitsgruppen, die von den Vorstandsmitgliedern geleitet werden, unter anderem für Außen- und Sicherheitspolitik (Leitung: Schwenker), Grüne Technologien (Bulmahn) und Finanzmarkt (Merz).

So ambitioniert die Ideen sind, so schleppend geht es voran: "Es läuft sehr zäh," sagt ein Brückenmitglied. Hinzu kommen personelle Querelen. Neue Geschäftsführerin der Atlantikbrücke ist seit Januar Eveline Metzen (39), die ehemalige Leiterin des Amerikahauses Nordrhein- Westfalen in Köln. Ihre Vorgängerin Lindemann soll eine Ehemaligenorganisation der so genannten "Young Leaders" aufbauen. Das sind junge Führungskräfte aus Nordamerika und Europa, die von einem "Steering committee" ausgewählt werden, in Seminaren zusammen arbeiten und anschließend engen Kontakt halten. Jedes Jahr wächst ihre Schar um 120.

Die Betreuung der Alumnis (mittlerweile mehrere Tausend) wurde als eigenständiger Verein, unter Führung Lindemanns, ausgelagert; der neue Atlantik Forum e.V. soll sich über Mitgliedsbeiträge selbst tragen. Das Problem: Die Kiep-Vertraute besitzt noch einen Arbeitsvertrag als Geschäftsführerin der Brücke, und zwar für drei Jahre. Merz, der derzeit mit dem Verkauf der West LB gut zu tun hat, vertritt offenbar die Auffassung, der Vertrag sei längst hinfällig. Beide Seiten wollen zwar einen Konflikt vermeiden, haben aber ihre Positionen arbeitsrechtlich abgesichert. Bislang kam es zu keiner Einigung, bis zur offiziellen Verabschiedung Lindemanns am 3. Februar soll nun eine Lösung her.

Der Ausgang dieser Auseinandersetzung hat drastische Folgen für die Finanzlage. Gehälter für zwei Geschäftsführerinnen kann sich der stets knapp kalkulierende Eliteclub im Grunde nicht leisten. Dann, fürchtet ein Transatlantiker, "bleibt kein Geld mehr für die geplante inhaltliche Aufrüstung." Über die Finanzen hatten sich die Netzwerker schon früher heftig gestritten. Merz hatte der alten Führung mangelnde Haushaltsdisziplin vorgeworfen und auf einer Sonderuntersuchung der Wirtschaftsprüfer bestanden. Die kamen zu dem Schluss: Keine Hinweise auf unsaubere Geschäfte, von den Rechnungslegungsgrundsätzen eines Unternehmens sei die Brücke allerdings weit entfernt.

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