Mittwoch, 21. November 2018

Gefechte in Korea Höchste Alarmstufe seit dem Koreakrieg

Rauchfahnen über der Insel Yeongpyeong: Südkorea in höchster Alarmstufe
DPA / Yonhap
Rauchfahnen über der Insel Yeongpyeong: Südkorea in höchster Alarmstufe

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea eskaliert erneut. Dutzende nordkoreanische Granaten schlugen auf der Insel Yeongbyeon und im Gelben Meer nahe der umstrittenen Seegrenze ein. Mindestens zwei Soldaten starben. Der Süden schoss ebenfalls über die Grenze und warnte vor ernsteren Konsequenzen.

Seoul - Nordkorea hat am Dienstag mehrere Dutzend Artilleriegeschosse auf eine südkoreanische Insel abgefeuert. Zwei Soldaten starben, zwei weitere wurden lebensgefährlich verletzt. Das südkoreanische Militär bestätigte entsprechende Medienberichte und erklärte, das Feuer sei erwidert worden. Ein Artilleriestützpunkt an der nordkoreanischen Küste sei unter Beschuss genommen worden. Nordkorea erklärte seinerseits, der Süden habe zuerst geschossen. Südkorea habe Dutzende Granaten abgefeuert.

Der südkoreanische TV-Sender YTN zitierte Augenzeugen, denen zufolge 60 bis 70 Häuser auf der Insel Yeonpyeong in Brand geraten seien. Das Feuer breite sich nun auf der Insel aus. Die Nachrichtenagentur Yonhap meldete 14 verletzte südkoreanische Soldaten. Augenzeugen zufolge wurde die Bevölkerung in Bunkern in Sicherheit gebracht, manche Bewohner seien mit Fischerbooten geflohen.

Das südkoreanische Militär erklärte, es sei der höchste Alarmzustand seit dem Ende des Krieges in den 50er Jahren ausgerufen worden. Es warnte vor einer "stärkeren Antwort", sollte der Norden "seine Provokationen fortsetzen". Die Regierung berief ein Nottreffen der Sicherheitsberater in einem Untergrundbunker am Präsidentenpalast ein. Präsident Lee Myung-bak sagte, er wolle vermeiden, dass der Vorfall zu einem größeren Konflikt führt. Zugleich kündigte er eine "entschlossene" Reaktion an. Das Außenministerium erklärte, den Vorfall vor die Vereinten Nationen bringen zu wollen. Auch die Zentralbank berief eine Krisensitzung ein.

Das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea hatte sich in den vergangenen Monaten wegen des Streits um das Atomprogramm deutlich verschlechtert. Nordkorea hatte erstmals im Oktober 2006 und dann erneut im Mai 2009 Atomwaffen getestet. Kurz vor dem zweiten Test war Nordkorea aus den sogenannten Sechser-Gesprächen mit Südkorea, China, den USA, Russland und Japan ausgestiegen. In den vergangenen Monaten signalisierte Pjöngjang allerdings wiederholt seine Bereitschaft, unter bestimmten Bedingungen an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Nordkorea hatte vor wenigen Tagen einem amerikanischen Atomexperten zufolge die Fertigstellung einer neuen Anlage zur Urananreicherung verkündet. Der frühere Leiter des US National Laboratory in Los Alamo, Siegfried Hecker, erklärte am Samstag, er habe das Werk im Kernforschungszentrum in Yongbyon kürzlich besichtigt. In der Anlage seien erst vor kurzem 2.000 Zentrifugen installiert worden. Nordkorea produziere dort nach eigenen Angaben auf niedrigem Niveau angereichertes Uran für einen neuen Reaktor.

Der Norden erkennt die von den Vereinten Nationen zum Ende des Koreakrieges 1953 einseitig gezogene Seegrenze nicht an. In den vergangenen Jahren haben sich die beiden Länder drei blutige Gefechte geliefert, zuletzt im November vergangenen Jahres.

An den Finanzmärkten sorgten die Meldungen aus Korea für Unruhe. Der US-Dollar, als Fluchtwährung gesucht, stieg deutlich gegen asiatische Währungen wie den japanischen Yen. Auch die Kurse US-amerikanischer Staatsanleihen legten zu, während Aktien an Wert verloren. Der wegen der Schuldenkrise in Irland ohnehin angeschlagene Euro Börsen-Chart zeigen rutschte um fast einen US-Cent auf 1,3535 Dollar von 1,3620 Dollar.

ak/reuters/dpa/afp/dapd

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