Freitag, 16. November 2018

Wolfgang Reitzle Tausend Wasserstoff-Tankstellen

Linde-Chef Wolfgang Reitzle: "Wasserstoff tanken Sie genauso schnell wie Benzin"

Linde-Chef Wolfgang Reitzle sieht Wasserstoff als eine echte Alternative zum Benzin und baut eine neue Infrastruktur. Eine wasserstoffgetriebene Brennstoffzelle und die Batterie werden sich ergänzen, so der Topmanager.

mm: Herr Reitzle, wird der Otto-Motor durch das BP-Desaster zum Auslaufmodell?

Reitzle: Nicht erst seit dem schrecklichen Ereignis im Golf von Mexiko müssen wir alles dafür tun, unsere Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern. Der umweltfreundliche Energieträger Wasserstoff kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

mm: Wasserstoff als Antriebsenergie wird seit 30 Jahren diskutiert. Warum sollte er sich jetzt durchsetzen?

Reitzle: Wir sind heute viel weiter, und das nicht nur auf der technischen Seite. Eine breite Allianz aus Wirtschaft und Politik setzt sich für die Verbreitung der Wasserstofftechnologie ein.

mm: Wie soll sich die wasserstoffgetriebene Brennstoffzelle gegen die attraktivere Batterie durchsetzen?

Reitzle: Beide Konzepte werden sich ergänzen. Der batterieelektrische Antrieb eignet sich für Kurzstrecken im Stadtverkehr. Mit dem Wasserstoffantrieb können Sie mit einer Tankfüllung mehr als 400 Kilometer weit reisen. Die Batterieladezeiten entfallen. Wasserstoff tanken Sie genauso schnell wie Benzin.

mm: Wann entsteht ein Netz von Wasserstofftankstellen?

Reitzle: Im Herbst 2009 haben wir gemeinsam mit Daimler Börsen-Chart zeigen, EnBW Börsen-Chart zeigen, Shell Börsen-Chart zeigen, Total Börsen-Chart zeigen, Vattenfall Börsen-Chart zeigen und der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) die H2-Mobility-Initiative gegründet. Ziel dieser Partnerschaft ist der Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur. So soll die Anzahl der Wasserstofftankstellen im Bundesgebiet ab 2013 Schritt für Schritt auf rund 1000 erhöht werden.

mm: Bis wann liefern die Autobauer serienreife Wasserstoffwagen?

Reitzle: Hersteller wie etwa Daimler wollen von 2015 an wasserstoffbetriebene Modelle in Serie fertigen. Ab diesem Zeitpunkt ist also mit Stückzahlen von mehreren Hunderttausend zu rechnen. Den Konzernen ist klar, dass die Fahrzeuge auch vom Preis her wettbewerbsfähig sein müssen.

mm: Haben Wasserstoffautos ohne staatliche Subventionen eine Chance?

Reitzle: Grundsätzlich ist eine staatliche Förderung über einen gewissen Zeitraum wichtig für den Erfolg jeder von Grund auf neuen Technologie.

Energie: Welt ohne Öl

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