Freitag, 9. Dezember 2016

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Deutsche Währungsunion Das D-Mark-Desaster

Jubel, Trubel, Nüchternheit: Wie die D-Mark in die DDR kam
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[m] DPA; mm.de

Vor 20 Jahren bekamen die DDR-Bürger die D-Mark - eins zu eins. Das beschleunigte die Wiedervereinigung, doch beide Seiten zahlten mit Massenarbeitslosigkeit und Billionentransfers einen hohen Preis. Die wirtschaftliche Einheit Deutschlands krankt am gleichen Problem wie der Euro.

Hamburg - Die D-Mark? In der DDR? "Kommt überhaupt nicht infrage, ausgeschlossen!" Karl Otto Pöhl reagierte so spontan wie überzeugt, als ihm Reporter am 6. Februar 1990 diese Frage stellten. Der Bundesbankpräsident kam gerade von einem Treffen mit seinem Ostberliner Kollegen Horst Kaminsky aus dem Gebäude der Staatsbank der DDR. Pöhl warnte davor, "die Wiedervereinigung mit der Notenpresse zu finanzieren".

Da wusste er noch nicht, dass in Bonn die Entscheidung für ein genau solches Angebot bereits gefallen war. Der oberste Hüter des westdeutschen Geldes war überrumpelt, von Bundeskanzler Helmut Kohl, Finanzminister Theo Waigel und dessen Staatssekretär Horst Köhler - nach Vorarbeit seines SPD-Parteifreunds Thilo Sarrazin, damals Referatsleiter im Bundesfinanzministerium, heute ausgerechnet Vorstandsmitglied der Bundesbank.

Pöhl fügte sich schließlich, trat aber 1991 zurück - zuvor hatte ihn Kohl gerügt, weil "Mr. D-Mark" das Ergebnis der Union als "Desaster" bezeichnet hatte. Damals lief noch der Wiedervereinigungsboom, ein Konsumrausch im Osten füllte die Auftragsbücher der Westindustrie. Zugleich stieg die Inflation, die Bundesbank erhöhte die Zinsen bis auf 9 Prozent und mühte sich, Kaufkraft abzuschöpfen - was anschließend zu einer umso tieferen Rezession führte.

Aus heutiger Sicht fällt die Bilanz noch schlechter aus. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der damals für die DDR an den Verhandlungen beteiligt war, sieht die Währungsunion nun als fehlerhaft an. "Wir waren Getriebene", bekannte er jüngst dem SPIEGEL. Als "Entscheidung für die Konsumenten" wertet es Udo Ludwig vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle - und Entscheidung gegen deren Arbeitsplätze. Von "ökonomischem Schwachsinn" spricht Lars-Henrik Röller, der als Präsident der Berliner European School of Management and Technology im früheren Staatsratsgebäude der DDR sitzt.

Das gleiche Problem wie in der Euro-Krise

Mit dem 1. Juli 1990 stand die ostdeutsche Wirtschaft plötzlich in direktem Wettbewerb zur West-Konkurrenz, musste ihre laufenden Ausgaben in D-Mark decken, die sie mit ihrer geringeren Produktivität nicht erwirtschaften konnte. Wer bis dahin nicht zahlungsfähig war, wurde es jetzt.

Es war in extremer Form das gleiche Problem wie heute in der Euro-Krise: Die festgelegten Umtauschkurse (eine Ost- zu einer Westmark für laufende Zahlungen wie Löhne und Teile der Sparguthaben, zwei zu eins für die meisten Vermögen und Schulden) passten nicht zur unterschiedlichen Wirtschaftskraft und ließen keine Luft für eine externe Anpassung. Die importierte Kaufkraft konnte das Problem nur vorübergehend verdecken.

Konsumrausch mit Massenpleite bezahlt

Die DDR-Bürger bezahlten einen kurzfristigen Konsumrausch mit der Massenpleite ihrer Betriebe und damit dem dauerhaften Verlust eines Großteils ihrer Einkommensbasis. Nur dank Hilfe von außen ist der Lebensstandard, immer noch deutlich unter Westniveau, zu halten.

Pöhl und seine Bundesbanker waren nicht die einzigen Kritiker. "Watte" sei die Rede von der Währungsunion, warnten die fünf Wirtschaftsweisen. "Dahinter verbirgt sich auf Jahre hinaus ein zweistelliger Milliardentransfer." Tatsächlich rechnete im Bonner Finanzministerium ein Thilo Sarrazin bereits mit dreistelligen Milliardenbeträgen - die dann auch flossen, und zwar bis heute. Der westdeutschen Wirtschaft wurden so bislang nach verschiedenen Schätzungen 1,3 bis 1,6 Billionen Euro entzogen.

"Es gab keine seriöse Alternative", erklärt Sarrazin nun im Interview mit dem manager magazin. Eine Verzögerung der Währungsunion hätte zu einer fortgesetzten Massenflucht in den Westen geführt, und ein für die Ostwirtschaft tragfähiger Umtauschkurs die DDR-Bürger schlechter gestellt als zuvor.

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