Samstag, 16. Februar 2019

Trotz BP-Katastrophe Norwegen will Öl aus der Tiefsee

Norwegische Ölbohrinsel: Weitere Föderstellen geplant
Øyvind Hagen / Statoil
Norwegische Ölbohrinsel: Weitere Föderstellen geplant

Norwegen hat weitere Ölbohrungen vor seiner Küste ausgeschrieben. Nach Regierungsmeinung soll an bis zu einhundert Stellen Öl gefördert werden - auch in der Tiefsee.

Hamburg - Der Zuschlag für die insgesamt 94 Erkundungs-Blöcke werde aber nur "im Lichte der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko" erfolgen, versicherte Ölminister Terje Riis-Johansen in Oslo. Der Presse zufolge gab es heftigen Streit zwischen ihm und Umweltminister Erik Solheim über die Zahl der Blöcke - Riis-Johansen hatte 100 Blöcke ausschreiben wollen, Solheim nur 82. Das Fischereiministerium hatte für 92 plädiert. Die Regierung will die Zuschläge im Frühjahr 2011 erteilen.

Manche der zur Erkundung ausgeschriebenen Blöcke liegen in der Tiefsee - eine Ausbeutung wäre also nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Auch die im Golf von Mexiko explodierte und gesunkene Bohrinsel "Deepwater Horizon" stand in der Tiefsee, was das Stopfen des Lecks nun erheblich erschwert.

Umweltschützer kritisierten die Entscheidung der norwegischen Regierung daher scharf. Der Ölminister ignoriere die Warnungen von Experten und rolle der Ölindustrie den roten Teppich aus, erklärte Lars Haltbrekken, Vorsitzender von Friends of the Earth in Norwegen. Der Verkauf von Öl und Gas trägt rund ein Viertel zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) Norwegens bei. Seit mehreren Jahren ist aber keine bedeutende neue Quelle entdeckt worden.

kst/afp

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