Mittwoch, 19. Dezember 2018

Mauerbau als Kernkompetenz - HeidelbergCement mischt mit Trumps Mauer zu Mexiko - und Baumeister Bernd aus Heidelberg

Mauerbau an der mexikanischen Grenze: Nach Trumps Wahlsieg laufen sich Zementhersteller schon mal warm

Bernd Scheifele ist ein nüchtern kalkulierender Mann. Der Chef des im Dax notierten Baustoffherstellers HeidelbergCement hat es geschafft, inmitten des Trump-Trubels ein wenig Aufmerksamkeit nach Süddeutschland zu lenken: Mittelfristig sei er nach der US-Wahl "positiv gestimmt", sagte Scheifele. Sollte Donald Trump tatsächlich die Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen lassen, die er seinen Wählern versprochen hat, dann könnte HeidelCement als Lieferant in Texas und Arizona davon profitieren.

Die Aktie von HeidelbergCement Börsen-Chart zeigen zählte mit einem Plus von mehr als 2 Prozent zu den größten Gewinnern im Dax - und steht als ein Beispiel für die extrem gelassene Reaktion an den Weltbörsen auf den Wahlsieg von Trump. Man kann die Reaktion zynisch nennen - sie ist genauso zynisch wie Trumps Wahlkampfstrategie, die das politische Establishment aus den Angeln gehoben hat.

Man kann Scheifeles nüchterne Kalkulation auch ein wenig weiterspinnen: Die Grenze zwischen Mexiko und den USA ist rund 3100 Kilometer lang, da braucht man in der Tat eine Menge Zement und Beton, wenn man diese Mauer wirklich sturmfest machen will. Und im Mauerbau kennen sich die Deutschen ja aus, das könnte ein Vorteil sein im Rennen um den ersten lukrativen Großauftrag von US-Präsident Donald Trump. Baustoffriesen wie Holcim und Lafarge rühren zwar noch mehr Zement an als die Heidelberger Truppe, doch die ist glücklicherweise schon länger in den USA aktiv und kennt sich vor Ort gut aus. Auch ein Vorteil in diesem unübersichtlichen Grenzgebiet.

Mexiko soll bezahlen - also doch eher Cemex als Zement aus Heidelberg?

Doch halt: War da nicht noch was? Trump will die Grenze aus Wellblech und Stacheldraht nicht nur durch eine Monster-Mauer ersetzen. Er will die Mauer auch von Mexiko bezahlen lassen (Trump: "And Mexiko will pay for it"). Das wiederum spricht für den mexikanischen Baustoffriesen Cemex aus Monterrey, der seine Heimvorteile voll ausspielen dürfte. Und wenn Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto gar keine Lust hat, die Mauer zu bezahlen? Dann sollte er sich rasch die heutige Siegesrede Donald Trumps ins Gedächtnis rufen: "Wir werden uns mit allen anderen Nationen vertragen, die sich mit uns vertragen wollen", hat Trump gesagt. Klarer kann man eine Drohung kaum formulieren.

Daher ist es unwahrscheinlich, dass Baumeister Bernd aus Heidelberg tatsächlich an der mexikanischen Grenze Zement anrühren darf. Doch das ist gar nicht so schlimm: In einer Welt unter Präsident Trump haben Mauern wieder Hochkonjunktur, sie werden gefragt sein überall in der Welt. Nicht nur in Ungarn oder Polen, womöglich bald auch in Frankreich, wo Marine Le Pen ihrem Freund Donald schon herzlich gratuliert hat. Um mangelnde Nachfrage muss sich Bernd Scheifele nicht sorgen.

Oder es kommt doch ganz anders, Trumps Mauer-Projekt entpuppt sich als Hirngespinst - pardon, als Phänomen des postfaktischen Zeitalters. Doch auch dann kann Bernd helfen und Trump einflüstern: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten."

la/mmo

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