Donnerstag, 27. April 2017

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Großbritanniens Austritt aus der EU Don´t panic - der Brexit ist eine Chance für Europa

Und tschüss: Der Abschied der Briten bietet Europa neue Chancen

Kaum ist es Gewissheit, dass 52 Prozent der Briten für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union gestimmt haben, überschlägt sich die öffentliche Meinung der gesamten Welt auch schon reflexartig in ihren entsetzten Kommentaren. Aktienkurse stürzen ab, der Pfundkurs bricht ein und Politiker kritisieren die britischen Wähler wegen ihrer Unverantwortlichkeit und Kurzsichtigkeit.

Christian Scholz
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    Christian Scholz
    Christian Scholz ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes. Sein zentraler Tätigkeitsbereich ist die Erforschung der Arbeitswelt: vom Personalmanagement bis zur Digitalisierungsstrategie. 2003 entstand die Trendstudie "Spieler ohne Stammplatzgarantie", 2014 das Nachfolgebuch zur Generation Z.

Gleichzeitig reiben sich viele erstaunt die Augen, dass sich hier ein Volk mehrheitlich gegen eine europaweite Medienkampagne und gegen den Rat aller "großen" Politiker auflehnt: Nahezu alle Zeitungen und Fernsehanstalten sowie fast alle Politiker und Wissenschaftler hatten mit eindringlichen Beschwörungen versucht, den Briten vorzuschreiben, wie sie abzustimmen haben.

Nur: Demokratie besteht eben darin, dass sich "das Volk" anders entscheiden kann als seine politischen Führer. Und haben Politiker nicht permanent mündige und selbständig denkende Bürger gefordert, die sich eine eigene Meinung bilden?

Der Brexit hat nur wenig negative Effekte

Großbritannien hat immer schon in vielen Punkten eine Sonderrolle gespielt und Sonderrechte in der EU genossen. Dazu zählt auch die Beibehaltung der eigenen Währung. Gäbe es diese nicht, wäre der Brexit sowieso kaum durchführbar und auch die Auswirkungen auf Europa wären dramatischer. So wird vielleicht alles etwas bürokratischer, aber mit einem für beide Seiten intelligenten Freihandelsabkommen wird sich im Handel zwischen Großbritannien und der Europäischen Union kaum etwas ändern.

Selbst in Großbritannien an sich wird erstaunlich wenig passieren: Sicherlich werden sich Veränderungen im Wirtschaftssystem ergeben. Die Wechselkurse haben sich bereits angepasst. Britische Exporte werden billiger, Importe teurer und Zinsen höher. Nach einigen kurzfristigen Ausschlägen wird sich aber vieles einpendeln. Und die Flüchtlingszahlen bleiben unverändert niedrig. Viel gravierender wird der erneute Versuch Schottlands sein, die Unabhängigkeit von England zu erreichen. Beim letzten Referendum zur Unabhängigkeit haben die Schotten letztlich nur deshalb für den Verbleib im Vereinten Königreich gestimmt, weil David Cameron ihnen klar gemacht hatte, dass die Loslösung von England auch einen Ausschluss aus Europa bedeuten würde. Dieses Argument dreht sich jetzt um, kommt wie ein Bumerang zurück und wird zudem auch Nord-Irland treffen.

Wirklich bemerkenswert ist: Noch während die Stimmen in den letzten vier Wahlbezirken ausgezählt wurden, gab es im Fernsehen bei der BBC bereits Aussagen mit interessanten Untertönen in Richtung absoluter Entwarnung. Nicht viel würde sich ändern und die Verhandlungen um den Brexit könnten sogar die britische Position stärken. Man werde zwar aus dem Club austreten, aber weiterhin die Gemeinschaftsangebote nutzen. Und zudem könnte der Brexit zu neuen Verhandlungen, zu einem neuen Angebot von Brüssel an London und in einigen Jahren zu einer neuen Volksabstimmung über den Brexit führen.

Um es also mit den Worten von Douglas Adams zu sagen: Don't panic!

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