Sonntag, 20. Mai 2018

Großbritanniens Austritt aus der EU Don´t panic - der Brexit ist eine Chance für Europa

Und tschüss: Der Abschied der Briten bietet Europa neue Chancen

3. Teil: Fünf Konsequenzen aus dem Brexit

Fünf notwendige Konsequenzen aus dem Brexit

Wettbewerbsvorteile in und für Europa entstehen zum einen durch Standardisierung. Da ist Europa auf einem guten Weg, Wettbewerbsvorteile entstehen zum anderen aber auch durch Unterschiedlichkeit und Vielfalt innerhalb Europas: Was für die spanische Wirtschaft gut ist, passt nicht automatisch auch für Schweden. Unsere europäischen Führer sollten sich bewusst werden, dass sie bei Integration und Konvergenz wesentlich zu weit gegangen sind. Sie sollten Divergenz als Chance akzeptieren und einen wirklichen europäischen Föderalismus anstreben.

Konkret bedeutet dies:

Erstens sollten unsere Politiker die Entscheidung in Großbritannien nicht als einen "Fehler" der dortigen Bevölkerung brandmarken. Vor allem unsere selbsterklärte EU-Elite sollte den Brexit als Warnschuss anerkennen und ein Europa mit weniger EU-Zentralismus entwickeln. Ansonsten werden wir schnell weitere Abspaltungstendenzen erleben.

Zweitens sollten Martin Schulz und Jean-Claude Junker schnell David Cameron folgen und ebenfalls zurücktreten. Beide verkörpern bis hin zu ihren diversen "Ratschlägen" einen EU-Feudalismus, der auch für Nicht-Britten nur schwer tragbar ist. Vor allem haben sie versagt, weil sie es nicht geschafft haben "die Familie" zusammenzuhalten.

Drittens sollte die Anzahl der Personen reduziert werden, die in Brüssel und an diversen anderen Standorten permanent "Integration und Konvergenz" durchsetzen wollen. Zielgröße: Zwei Drittel weniger Abgeordnete und Beschäftigte in allen europäischen Institutionen. Das spart Geld und verhindert weitere Beschädigungen der europäischen Idee.

Viertens sollten die zentralen europäischen Regelungen daraufhin untersucht werden, ob sie nicht übergroß-falsche Tendenzen in Richtung "Integration und Konvergenz" implizieren. Das würde uns teure Anpassungen ersparen, die unabhängig vom Brexit bereits jetzt einsetzen.

Und fünftens sollte man, bevor es zu spät ist, noch einmal genau darüber nachdenken, was "Europa" eigentlich bedeutet. Wenn der Brexit uns dazu bringt, hat er sich bereits jetzt gelohnt und wir kommen unserem gemeinsamen Europa ein großes Stück näher.

Christian Scholz ist Direktor des Europa-Instituts der Universität des Saarlandes und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de . Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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