Sonntag, 21. Oktober 2018

Großbritanniens Austritt aus der EU Don´t panic - der Brexit ist eine Chance für Europa

Und tschüss: Der Abschied der Briten bietet Europa neue Chancen

2. Teil: Der Brexit erzwingt ein Umdenken

Wir erleben aktuell ein Europa, in dem irgendwo oben von irgendwem irgendetwas entschieden wird. Da kommt eine Bologna-Reform, da kommen Entscheidungen zu Handelsabkommen und Pflanzenschutzmitteln, da kommen irgendwelche ominösen Regelungen beim Datenschutz und letztlich hat man das Gefühl, dass es fast wie in der Matrix eine übergeordnete Instanz gibt, die uns lenkt. Für viele ist auch nicht mehr nachvollziehbar, wer hier wirklich die Entscheidungen trifft: Haben wir in Deutschland bald zwei Millionen Flüchtlinge aufgrund eines EU-Beschlusses oder aufgrund einer wie auch immer in Berlin getroffenen Entscheidung?

Gleichzeitig erleben wir ein Europa, in dem es in vielen Ländern sehr unterschiedliche Diskussionen gibt: Deutschland mit "seinen" Flüchtlingen, Frankreich mit "seiner" Arbeitsmarktreform, Österreich mit 49,7 Prozent der Stimmen für den FPÖ-Kandidaten bei der Wahl zum Bundespräsidenten. Die Liste lässt sich spielend um Ungarn, Polen, Spanien, Italien, Portugal sowie die skandinavischen Länder ergänzen - und natürlich um Griechenland, wo "Grexit" als Drohung von Brüssel an Athen eingesetzt wurde. Trotz der Europäischen Union bekommen wir also immer mehr landesspezifische Probleme.

Damit ist klar, dass es so nicht weitergeht und unsere Vordenker in Brüssel sowie in Berlin umdenken müssen.

Integration und Konvergenz sind die Zauberworte, an die sie fast alle seit Jahrzehnten glauben. Der Autor dieses Beitrags forscht seit Jahren zu Divergenz-Bewegungen in Europa. Allein schon das macht ihn für manche verdächtig, ein Gegner der europäischen Idee zu sein. Aber das Gegenteil ist der Fall. Gerade um die Vision eines gemeinsamen Europas zu realisieren, müssen wir verstehen, dass Europa eben nicht permanente Integration und Konvergenz bedeutet.

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