Von Eva Müller
Ja, ja, ich gestehe: Ich gehöre der unglückseligen Zunft von Schreiberlingen an, die für die heillos veralteten Printmedien arbeiten. Jener Truppe, die einfach kein neues Geschäftsmodell für das 21. Jahrhundert findet und die deshalb wie dereinst die Gilde der Bergarbeiter bald nur noch in den Geschichtsbüchern zu finden sein wird.
Deshalb fällt mir zur Zeit außer quälenden Existenzängsten kaum etwas Erbauliches ein. Hat doch diese Woche der einst so stolze Gruner + Jahr-Verlag angekündigt seine 350 Kollegen starken Wirtschaftsmedienabteilung auf ein Rest-Capital mit 20 Mitarbeitern zu schrumpfen. Und in der Woche davor ging die traditionsreiche "Frankfurter Rundschau" pleite.
Das bislang für gewöhnliche Arbeitnehmer so herrlich nervenschonende Gejammere der Firmen über den fürchterlichen Fachkräftemangel ist urplötzlich verstummt. Schon scheint der Weltuntergang mal wieder zum Greifen nahe.
Wie gut also, dass die letzte Krise gerade mal starke zwei Jahre her ist. Da sind die damals entworfenen Notfallpläne noch nicht so tief ins Unterbewußte abgesackt, als dass sie sich nicht leicht nach der vierten Nacht unruhigen Schlafes wieder in den Frontlappen rufen liessen.
Wie war das nochmal im Falle des endgültigen Verlustes des Arbeitsplatzes? Wir könnten doch alle zusammen in ein Haus auf dem Lande - im spottgünstigen Mecklenburg-Vorpommern etwa - naja, vielleicht doch lieber in das schöne, alte Bauernhaus in Tirol - ziehen. Jedes Paar ein Schlafzimmer, Bad und Wohnküche gemeinsam. Unsere glücklicherweise abgezahlten Wohnungen im Herzen von München zu den derzeit gängigen Mondpreisen vermieten und von diesen Einkünften leben.
Statt in die Oper zu gehen halt Karten kloppen, statt den vornehmen Sterne-Tempel zu besuchen fröhlich die gemeinsam am Holzherd gekochte Kartoffelsuppe (schlimmstenfalls auch ohne Würstchen) löffeln, statt teurer Fernreisen lustige Radltouren in die Umgebung unternehmen (ist ja ohnehin viel gesünder).
Aber bevor Sie mir nun unfreundliche Mails schicken, so eine saturierte alte Tante solle gefälligst aufhören mit ihren Luxusproblemen zu langweilen, denken Sie noch einmal kurz nach: Es beruhigt wirklich ungemein, sich ein paar Alternativen zum bisherigen Lebensplan auszudenken. Es ist gar nicht so schwer, sich bescheidenere Verhältnisse schön und angenehm zu reden.
Gedanken an Wertewandel (eigentlich zählt doch nur Familie und Freundschaft) und Weltrettung (kein Auto, kein CO2, kein Fleisch, kein Klimawandel) fühlen sich echt gut an. Und wie wunderbar ist es, wenn der ausgefeilte Plan B am Ende des Tages doch nicht zum Einsatz kommt.
© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH