Athen - Es ist ein niederschmetterndes Umfrageergebnis für alle, die gehofft haben, dass Deutschlands Griechenland-Hilfen zumindest auch als Stütze für Europa und den Zusammenhalt der Staaten und Nationen innerhalb der Europäischen Union (EU) gewertet würde. Doch nach zwei Jahren fortwährender Geldspritzen und Kreditstützen reichen die Gefühle gegenüber den Deutschen in Athen von Ärger bis hin zu regelrechtem Hass, so das Ergebnis einer Umfrage, die am Donnerstag im Magazin "Epikaira" veröffentlicht wurde.
Nach ihren vorherrschenden Gefühlen gegenüber Deutschland befragt, nannten 41 Prozent der Umfrageteilnehmer Ärger, Empörung oder Wut. Weitere 30 Prozent empfanden nach eigenen Angaben Enttäuschung und Angst bis hin zu Abscheu.
Etwa 79 Prozent der 800 Befragten bezeichneten Deutschlands Rolle in Europa als negativ, während 81 Prozent keine gute Meinung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten. Gerade mal 8,6 Prozent bekundeten positive Gefühle gegenüber Deutschland. Die Umfrage war im Vorfeld der Einigung der Finanzminister der Euro-Zone am Dienstag auf ein zweites Hilfspaket für Athen im Umfang von 130 Milliarden Euro durchgeführt worden.
30 Prozent assoziierten die heutige deutsche Politik gar mit der Herrschaft der Nazis. Bei vorgegebenen Antworten kreuzten 77 Prozent der Befragten an, Deutschland wolle ein "Viertes Reich" errichten. 32 Prozent assoziierten Deutschland mit Hitler, Nationalsozialismus oder dem Dritten Reich.
Vorwürfe deutscher Politiker kamen sehr schlecht an
Immer wieder wurden in Athen während der Proteste gegen die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung deutsche Flaggen verbrannt. Die Vorwürfe deutscher Politiker, wonach die Griechen ein Hang zum kollektiven Müßiggang hätten, taten ihr Übriges, um den Unmut der Griechen gegen die Deutschen anzufachen.
So verlangte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kürzlich angesichts der Schuldenkrise einen Bewusstseinswandel in der griechischen Gesellschaft. Die Rettung des Landes sei schwieriger als die deutsche Wiedervereinigung, sagte der CDU-Politiker der "Welt am Sonntag". "Weil die Einsicht, dass man etwas ändern muss, und zwar dramatisch, bei vielen in Griechenland noch wachsen muss."
Als Gegenleistung für neue Milliardenkredite hat sich Athen zuletzt auch einerr schärferen Kontrolle unterwerfen müssen, die nicht zuletzt auf Druck Deutschlands und Frankreichs zustandegekommen ist. So haben Europas Finanzminister beschlossen, ein Sperrkonto zur Rückzahlung von Krediten einzurichten. Darauf soll ein Teil der Staatseinnahmen fließen, der für Zins und Tilgung der neuen Kredite verwendet wird - und den Athen nicht mehr für andere Ausgaben nutzen kann. Damit gibt Griechenlands Regierung faktisch einen Teil ihrer Haushaltssouveränität ab.
Der griechische Präsident Karolos Papoulias reagierte ungehalten und erwiderte erbost, er könne nicht hinnehmen, dass Schäuble sein Land verhöhne. Entsprechend wenig Interesse hat Griechenland auch an der Hilfe deutscher Beamter bei der Neuorganisation der griechischen Verwaltung. Schäuble appellierte an die griechische Regierung, Hilfsangebote anzunehmen. "Wir stehen seit geraumer Zeit bereit, den Griechen mit Finanzbeamten beim Aufbau einer effizienteren Steuerverwaltung zu helfen. Das Angebot wird bis heute nicht genutzt", sagte Schäuble kürzlich dem "Tagesspiegel".
Die Umfrage des Magazin "Epikaira" könnte einen Grund dafür zeigen: Kaum ein Grieche will Deutsche derzeit offenbar im eigenen Land haben, so scheint es. Milliardenhilfen deutscher Steuerzahler an Griechenlands Bürger hin oder her.
kst/dapd
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