Von Arvid Kaiser
Hamburg - Davos hat seine besten Tage eindeutig hinter sich. Zwar gastiert in dem Schweizer Bergdorf dieser Tage wieder einmal eine seltene Ansammlung von Chief Executive Officers, Chairmen, Founders und Global Leaders mit dem offiziellen Auftrag, "die Welt zu verbessern". Aber immer deutlicher tritt zutage, wie wenig die Reichen und Mächtigen noch zur Lösung der Probleme der Welt beizutragen wissen.
Vor einem Jahr bestaunten sie vor den Fernsehern, wie sich die arabische Welt ohne ihre Hilfe veränderte; das World Economic Forum strich daraufhin Saif al-Islam al-Gaddafi ("Bäche von Blut werden fließen") aus den Reihen der Young Global Leaders (Karl-Theodor zu Guttenberg durfte diesen Titel auch nach den Umwälzungen des Jahres 2011 behalten). Jetzt kampieren die Occupy-Leute draußen in Iglus und drinnen beginnt man zu ahnen, dass die irgendwie eine wichtige Debatte anstoßen.
Zumindest symbolisch könnte das Forum etwas bewegen, regt (in Davos) "Huffington-Post"-Gründerin Arianna Huffington an: nämlich sich selbst. Die griechisch-amerikanische Publizistin, geborene Stassinopoulos, fordert einen Umzug des Forums nach Griechenland, dorthin, wo sich die Probleme der Welt derzeit ballen. "Weil die Demokratie, in Griechenland erfunden, neu erfunden werden muss", erklärt sie, und "aus Solidarität mit diesem armen Land" sowie "mit den Forumsteilnehmern, die hier ständig im Schnee ausrutschen". Die für Davos typische Ruhe und Abgeschiedenheit gebe es auch auf einer Ägäisinsel, als Plus kämen Sonne und Yachten hinzu.
Arvid Kaiser
Doch ist dieser verbliebene Kraterrand eines im Meer versunkenen Vulkans wirklich der richtige Platz für die Elite, die ohnehin "auf einem Vulkan sitzt" (Huffington)? Santorin wird mit dem Untergang der minoischen Hochkultur vor 3600 Jahren, mit Platons Atlantis verbunden. Ein Weltwirtschaftsgipfel als Tanz auf dem Vulkan? PR-technisch eher ungünstig.
Davos hat in Jahrhunderten als Viehzüchter- und Luftkurort kaum solche Symbolik hervorgebracht - höchstens noch als Schauplatz von Thomas Manns "Zauberberg" mit seinen laut Wikipedia "weltentrückten Figuren" in "abgehobener Bergkulisse". Das passt am Ende des Tages doch besser.
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