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31.08.2011
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Arbeitskräfte

USA verlieren Topeinwanderer an Asien

Von Markus Gärtner

Straßenszene auf dem Times Square in New York: Einwandererland USA verliert an Attraktivität
Corbis

Straßenszene auf dem Times Square in New York: Einwandererland USA verliert an Attraktivität

Wichtiger Baustein für Amerikas Wohlstand: Tausende Einwanderer arbeiten in den USA und sorgen für Wachstum. Doch jetzt drohen hoch qualifizierte Kräfte dem Land den Rücken zu kehren. Nach Deutschland zieht es sie allerdings nicht - trotz hoher Arbeitskräftenachfrage hierzulande.

Washington - "Amerika weiß, wie man um die Fachkräfte und Industrien unserer Zeit konkurrieren muss", versicherte US-Präsident Barack Obama Ende Januar in seiner Rede zur Lage der Nation. Sein simples Rezept: "Wir müssen nur innovativer sein, besser ausbilden und mehr produzieren". Das ist leicht gesagt, aber schwer getan. Sieben Monate später hält Obama wieder eine wichtige Rede. Am kommenden Montag will er sein neues Jobprogramm vorlegen. Doch die Zeichen mehren sich, dass eine wachsende Zahl der hoch qualifizierten Kräfte, die Amerika zur Sicherung seiner Zukunft braucht, dem Land den Rücken kehren. Vor allem Asiaten gehen wegen des schwachen Wachstums sowie schwindender Job-Perspektiven zurück in ihre Heimat, wo das Wirtschaftswachstum zwischen 5 Prozent und 10 Prozent liegt. Unter ihnen sind viele hervorragend ausgebildete Techniker und Ingenieure, die sonst in den USA Firmen gegründet hätten.

Von dem beginnenden Exodus berichten immer mehr Ökonomen und Forscher, darunter Vivek Wadhwa von der Duke University in Durham, North Carolina. Vor 31 Jahren war er selbst als junger Mann in die USA eingewandert, hatte zwei Firmen gegründet und mehr als 1000 Arbeitsplätze geschaffen. Dann wurde er Hochschullehrer. "Ich frage in jeder meiner Klassen die ausländischen Studenten, wer für immer in den USA bleiben will", erzählt Wadhwa. "Früher haben immer alle brav die Hand gehoben, aber jetzt schauen sie mich nur irritiert an".

Wadhwa hat zusammen mit vier Autoren der Universitäten Berkeley und Harvard eine Studie für die Kauffman Foundation in Kansas City angefertigt. Der Titel des Papiers: "Das Gras in Indien und China ist wirklich grüner für heimkehrende Unternehmer". Die Analyse beschreibt die Einschätzungen von 153 Universitätsabgängern und Unternehmern, die in jüngster Zeit Amerika den Rücken kehrten, um in ihren Heimatländern eine Firma zu gründen. Resultat: 72 Prozent der befragten Inder und 81 Prozent der interviewten Chinesen sagen, die Chancen zur Gründung eines Unternehmens seien in ihren Herkunftsländern "besser, oder viel besser".

Wie ein Flugzeug vor dem Strömungsabriss

Der Kernsatz in der Studie: "In den vergangenen zehn Jahren haben in Indien und China Armut und Unterentwicklung - die Faktoren, die einst die große Mehrheit der in Amerika ausgebildeten Immigranten an der Rückkehr in ihre Heimat hinderten, einem firmenfreundlichen Klima Platz gemacht".

Das ist ein brisanter Befund für die größte Volkswirtschaft der Welt, die gerade in eine erneute Rezession abzutauchen droht. Denn Immigranten gelten in den USA als besonders wichtige Treiber hinter Innovationen und erfolgreichen High-Tech-Firmen - und damit Wachstum, an dem es derzeit so schmerzhaft mangelt. Erst am vergangenen Freitag musste das Bureau of Economic Analysis die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das zweite Quartal in den USA von 1,3 Prozent auf 1,0 Prozent nach unten korrigieren. Damit schwebt die US-Wirtschaft wie ein Flugzeug vor dem Strömungsabriss über der Rezessionslinie dahin - und neuerliche Hilfe der Notenbanker um US-Zentralbankchef Ben Bernanke scheint auszubleiben.

Jeglicher Schwung, der ihr jetzt verloren geht, könnte das Land weit zurückwerfen. Kaum jemand hatte bislang neben ausgezehrten Konsumenten, dem schwachen Immobilienmarkt und den extremen Schulden die jungen Akademiker und Unternehmer aus Übersee im Visier, wenn es um die Sicherung des Wachstums ging. Und das ist fatal: Denn laut dem US-Patent and Trademark Office melden Immigranten doppelt so viele Patente an wie in den USA geborene Amerikaner. Ihrem Eifer und Erfindungsreichtum ist es zu verdanken, dass seit 2008 beim US-Patentamt mehr Ideen von Ausländern patentiert werden, als von Amerikanern. Lange Zeit - im Schnitt der Jahre 1977 bis 2010 - hatte der Anteil internationaler Patente bei 45,7 Prozent gelegen, jetzt beträgt er 50,5 Prozent.

Einwanderer hatten in den vergangenen Jahren ein Viertel aller weltweiten US-Patente angemeldet. Immigranten aus Übersee haben seit 1995 stattliche 52 Prozent der neuen Firmen im Silicon Valley gegründet. Zu den bekanntesten Hi Tech-Schmieden dieser Art gehören unter anderem Google und eBay.

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