Von Markus Gärtner, Vancouver
Kein Wunder, wenn vor diesem Hintergrund Anfang April der größte Anleiheinvestor auf dem Planeten, Bill Gross - der mit 236 Milliarden Dollar Anlagevermögen den Pacific Investment Managementfonds leitet - der US-Regierung sein Misstrauen aussprach und den Verkauf seiner US-Staatsanleihen bekanntgab. Kurz darauf verglich Gross viele US-Politiker mit "Stinktieren" und wettete auch noch auf einen Bondcrash. Für Gross ist die Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten nicht mehr auszuschließen.
Aber es gibt auch positive Reaktionen. Der Harvard-Professor Niall Ferguson sieht nach der jüngsten Reise mit seinem Sohn durch Amerika "die USA auf dem Wege, das Richtige zu tun". Der Deutsche-Bank-Stratege Alan Ruskin sieht in dem Warnschuss von S&P "keine leere Drohung", und bescheinigt ihm, er könne "das politische Establishment einem Kompromiss näher bringen". Kevin Giddis, Anleihespezialist beim Investmentberater Morgan Keegan in Memphis, Tennessee, vertraut den USA, "dass sie weiterhin tun was nötig ist, um genügend Liquidität bereit zu stellen, Wirtschaftswachstum zu erzielen und mit der Zeit das Defizit zu reduzieren". Selbst S&P drückt in seiner Begründung für den negativen Ausblick die Hoffnung aus, dass die vorliegenden Sparpläne "der Auftakt zu einem Prozess sind, an dessen Ende eine dauerhafte Konsolidierung der US-Finanzen steht".
Doch S&P gibt auch zu: "Die Lücke zwischen den beiden Parteien bleibt groß". Und selbst jenseits politischer Kompromisse, die Washington braucht, lauern große Herausforderungen. Zahlreiche Ökonomen halten beide Sparpläne nicht für ausreichend. "Beide reichen nicht, um das Defizit zu reduzieren und die Wirtschaft anzuschieben", sagt der Direktor am Center for Economic Research and Forecasting in Thousand Oaks, Kalifornien, Bill Watkins. Eine Umfrage von CNN Money am Montag unter 18 Wirtschaftsexperten in den USA ergab: Acht von ihnen sind der Auffassung, dass beide Kürzungspläne nicht im Interesse der USA sind.
© manager magazin online 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH