Von Arvid Kaiser
Hamburg - Männer, die japanische Staatsanleihen halten, sind beliebt bei Frauen. Das behauptet zumindest das Tokioter Finanzministerium in einer Anzeigenkampagne mit jungen Frauen, die Sätze sagen wie "Mein zukünftiger Ehemann soll behutsam mit Geld umgehen" oder "Playboys sind zu nichts nütze". Auf den ersten Blick erscheint die Sorge der Regierung unbegründet, die Japaner könnten ihre Schuldscheine verschmähen und ihr Geld lieber riskanter anlegen. Die traumatische Erfahrung einer riesigen Spekulationsblase aus überbewerteten Aktien und Immobilien, die vor zwanzig Jahren platzte, ist noch wach.
Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen sank im August unter 1 Prozent - ein Zeichen, dass sie noch stärker als sicherer Hafen gesucht werden als deutsche (2,1 Prozent) oder amerikanische (2,5 Prozent) Pendants und nicht als Risikoinvestment gehandelt werden wie die griechischen Papiere (11 Prozent). 90 Prozent der Anleihen werden von Inländern gehalten. Offensichtlich ist die Furcht der Anleger gering, Nippon könne irgendwann Zins und Tilgung nicht mehr leisten - obwohl das Land inzwischen mit 904 Billionen Yen (8,35 Billionen Euro) verschuldet ist, dem Doppelten der jährlichen Wirtschaftsleistung.
Dennoch nennt der Internationale Währungsfonds Japan nun in einer Reihe mit Griechenland, Italien und Portugal als Länder, denen am ehesten eine Marktpanik droht. Die Frage, wie lange ihr Schulden-Fujiyama noch wachsen kann, treibt auch die japanische Regierung um. Weil die Warenpreise im Land seit Mitte der 90er Jahre meistens fallen, Geld also immer mehr wert wird, steigt die Schuldenlast ständig an - das Gegenteil einer hohen Inflation, die Schuldner von ihren Sorgen befreit.
Geldmenge verdreifacht - Inflation lässt trotzdem auf sich warten
Zuletzt fielen die Verbraucherpreise im Juli um 1,1 Prozent, im 17. Monat in Folge. Die Weltwirtschaftskrise hat die schon überwunden geglaubte Deflation zurückgebracht. "Japan wird noch weitere zwei oder drei Jahre darin stecken bleiben", sagt Takeshi Minami, Chefvolkswirt am Forschungsinstitut Norinchukin. Die Folge: Unternehmen und Bürger haben keinen Anreiz, ihr Geld zu investieren oder zu konsumieren. Weil der teure Yen
nun auch noch den starken Export bremst, wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal nur noch um 0,1 Prozent.
Die Bank von Japan kämpft mit der Notenpresse dagegen. Ende August bewilligte sie den Banken in einer Krisensitzung weitere zehn Billionen Yen (92 Milliarden Euro) frisches Geld und behielt sich "schärfere Maßnahmen" vor. In ihrer eigenen Analyse schätzt die Notenbank solche Versuche, die Inflation anzufachen, eher skeptisch ein. Die Verdreifachung der Geldmenge bis 2006 habe zwar die Bilanzen der Banken saniert, aber nicht zu mehr Krediten und Geldumlauf in der Realwirtschaft geführt. Neues Geld bleibe einfach liegen, weil niemand mit kommender Inflation rechne.
Andy Ji, Währungsstratege bei der Royal Bank of Scotland in Singapur, sieht in der "eher halbherzigen" Aktion ein Signal: "Nun ist wieder die Regierung an der Reihe." Weitere Staatsschulden werden am Markt als einzig wirksames Mittel angesehen, die Nachfrage anzukurbeln.
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