Berlin - Eine erst Ende Juli vorgelegte aktualisierte Kostenrechnung weise Bau- und Planungskosten von rund 2,9 Milliarden Euro aus, teilte das Unternehmen am Sonntag in Berlin mit. Der Grünen-Verkehrspolitiker Winfried Hermann sagte dagegen dem SPIEGEL, er gehe davon aus, dass die Strecke am Ende mehr als fünf Milliarden Euro kosten werde.
Dies sind zwei Milliarden mehr als die ohnehin bereits um 865 Millionen Euro gegenüber den Ursprungskosten nach oben korrigierten gegenwärtigen Bahn-Annahmen. Hermann berief sich auf einen Bericht eines Münchner Gutachterbüros, den die Grünen am Mittwoch vorstellen wollen. Die Bahn zog die Sachkunde der Gutachter in Zweifel: Das Büro habe bereits in der Vergangenheit Kostenberechnungen angestellt, die sich als falsch erwiesen hätten, erklärte der Konzern.
Bund, Land und Bahn streiten sich darüber, wer die Mehrkosten zu tragen hat. Der frühere Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte auf Basis der ursprünglichen Kostenkalkulation zugesagt, dass der Bund über seinen Anteil von 925 Millionen Euro hinaus sämtliche Kostensteigerungen allein übernehmen werde. Wegen mangelhafter Eignung für den Güterverkehr haben die Fachleute im Ministerium inzwischen die Trasse neu bewertet. Sie wird jetzt als ein Projekt eingestuft, das gerade noch als wirtschaftlich vertretbar dargestellt werden könne.
Gegen das Projekt Stuttgart 21 protestieren in der baden-württembergischen Landeshauptstadt seit Monaten zahlreiche Menschen. Es sieht vor, den denkmalgeschützten Kopfbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umzubauen und mit kilometerlangen Tunnelstrecken bis 2019 an das europäische Bahn-Hochgeschwindigkeitsnetz zwischen Paris und Bratislava anzuschließen. Umfragen zufolge könnte das umstrittene Mammutprojekt der regierenden schwarz-gelben Landesregierung die Mehrheit bei den Wahlen im kommenden März kosten. Auch die oppositionelle SPD ist für das Projekt.
Die baden-württembergischen Grünen, die derzeit gemeinsam mit der SPD eine Mehrheit hätten, wollen bei möglichen Koalitionsverhandlungen den Ausstieg aus dem umstrittenen Bahnprojekt "Stuttgart 21" zu einer der Grundbedingungen machen. Gegen das Projekt gingen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt am Freitagabend erneut zehntausende Menschen auf die Straße. Die Veranstalter des Aktionsbündnisses sprachen von bis zu 65.000 Menschen. Gegner und Befürworter des Milliardenprojekts wollen am Freitag (10. September) zu einem ersten Gespräch über den geplanten unterirdischen Bahnhof zusammenkommen.
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