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02.09.2010
 

Abberufung

Bundesbank will sich von Sarrazin trennen

Abgang: Bundesbnak-Vorstand Thilo Sarrazin soll abberufen werden
REUTERS

Abgang: Bundesbnak-Vorstand Thilo Sarrazin soll abberufen werden

Deutschlands Zentralbank will bei Bundespräsident Christian Wulff die Abberufung ihres Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin beantragen. Diesen Schritt habe der Vorstand der Bundesbank einstimmig beschlossen.

Frankfurt am Main - Die Bundesbank will einen Schlussstich ziehen. Deutschlands Zentralbanker um Chefnotenbanker Axel Weber wollen sich offenbar von ihrem Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin trennen. Das Gremium will deshalb bei Bundespräsident Christian Wulff (CDU) die Abberufung ihres Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin beantragen. Diesen Schritt habe der Vorstand am Donnerstag einstimmig beschlossen, teilte die Bundesbank in einer Erklärung in Frankfurt am Main mit. Seine Zuständigkeitsbereiche wurden Sarrazin bis dahin entzogen.

Der frühere Berliner Finanzsenator ist wegen seiner Äußerungen zu muslimischen Zuwanderern und einem angeblichen Juden-Gen unter Druck geraten. Sarrazins Amtszeit begann im Mai 2009 und sollte regulär 2014 enden.

Der Vorgang ist ohne Beispiel in der Geschichte der Bundesbank, deren Vorstand unabhängig agiert. Zwar werden die sechs Mitglieder von Bund und Ländern in das Gremium berufen. Sie können aber von diesen nicht mehr entlassen werden. Das Recht der Abberufung einzelner Mitglieder steht - auf Antrag des Bundesbankvorstands - allein dem Bundespräsidenten zu.

Offen ist, ob die Bundesregierung noch eingeschaltet werden muss. Nach dpa-Informationen prüfen das derzeit Experten von Präsidialamt und Bundesregierung. Die abschließende Entscheidung des Staatsoberhaupts werde sicher nicht kurzfristig erfolgen, hieß es in Berlin.

Voraussetzung für einen Antrag auf Abberufung sind entweder eine krankheitsbedingte Dienstunfähigkeit oder eine "grundsätzliche und weitreichende Verfehlung" des zu feuernden Vorstands.

Der 65 Jahre alte SPD-Politiker und frühere Berliner Finanzsenator Sarrazin hatte sich mit seinem Werk "Deutschland schafft sich ab" und vorbereitenden Interviews immer mehr ins politische Abseits manövriert. Die SPD hat gegen Sarrazin ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte der Bundesbank eine Diskussion der Personalie nahegelegt.

kst/ddp/dpa

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