Von Eva Müller
Hamburg - Die Nachricht mag noch so abstrus klingen - wenn sie aus China kommt, merkt die Welt auf. Der Präsident der chinesischen Zentralbank Zhou habe sich nach Amerika abgesetzt, weil seine Institution mit US-Staatsanleihen 430 Milliarden Dollar Verlust gemacht habe. Dieses Gerücht verbreitete Ende August eine chinesische Website unter Berufung auf einen Zeitungsbericht aus Hongkong. Obwohl es sich recht klar erkennbar um eine Falschmeldung handelte, erregten die Pseudo-News über alle Kontinente hinweg Blogger und Nachrichtendienste. Eifrig diskutierten sie die wirtschaftlichen Auswirkungen der Flucht. Verheerende Folgen für den unterbewerten Yuan wurden prophezeit, ein Absturz der überhitzten Konjunktur im Reich der Mitte befürchtet.
Die Anekdote zeigt, wie gebannt die globale Wirtschaft auf die Entwicklung in China starrt. Zu Recht, denn die ungeheurere Dynamik zwischen Peking und Shanghai - im ersten Halbjahr 2010 lag die Wachstumsrate bei elf Prozent - beflügelt die Volkswirtschaften rund um den Globus. Ganz besonders Deutschlands Exportökonomie profitiert. Noch.
Denn ganz so einfach wie es sich viele Manager in ihrem kühnen Wachstumsträumen vorstellen gestaltet sich das Geschäft in dem boomenden Land nicht mehr. Der Wettbewerb um die rasant wachsenden Märkte wird von Jahr zu Jahr härter. Nicht nur alle westlichen Konkurrenten wollen an der enormen Wirtschaftskraft teilhaben. Auch chinesische Unternehmen treten immer stärker auf den Plan - mit ständig verbesserten Technologien, Produkten und Diensten.
Diese heranwachsenden chinesischen Firmen werden kräftig von ihrer Regierung unterstützt, sei es auf der nationalen, regionalen oder auch lokalen Ebene. Überall betreiben die kommunistischen Machthaber eine dirigistische und bisweilen erratische Industriepolitik. Weil die häufig westliche Firmen, die sich gerade gerade noch umworben fühlten, mit neuen Auflagen oder dem Entzug von Genehmigungen behindern, steigt die Zahl der Beschwerden gegen die protektionistische Willkür des Staates.
Strafzölle und Einfuhrbeschränkungen
Im Juli brach sich der aufgestaute Frust der westlichen Unternehmen Bahn. Während der Chinareise von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beschwerten sich die Industrieführer Jürgen Hambrecht (BASF
) und Peter Löscher (Siemens
) über den mangelnden Schutz geistigen Eigentums, überbordende Bürokratie und den zunehmenden Protektionismus. Kurz zuvor hatte General-Electric-Vormann Jeffrey Immelt gegen die antiwestliche Wirtschaftspolitik der Chinesen gemeckert, lautstark unterstützt von Microsoft-Chef Steve Ballmer und Google-Lenker Eric Schmidt.
Der Ton zwischen den alten Industriestaaten und der aufstrebenden Wirtschaftsmacht wird rauer. Eine Spirale des Protektionismus droht sich in Bewegung zu setzen. Strafzölle, Einfuhrbeschränkungen. Schon kursieren die Vorboten eines Handelskrieges in Kommentaren und politischen Diskussionen. Der Streit um die knapper werdenden Rohstoffe könnte schon bald eskalieren. Das Ausfuhrverbot für russischen Weizen ist nur ein erstes Vorzeichen für den Kampf um Lebensmittel, Wasser, Energie aber auch industrielle Ressourcen wie die seltenen Erden, die China monopolisiert.
Keine guten Aussichten für die global agierenden Unternehmen, deren Gedeihen von freiem Handel- und Warenverkehr abhängen. Sie müssen sich auf das härter werdende Geschäftsklima einstellen, insbesondere auf die harsche Businesskultur im Reich des roten Kapitalismus. Im aktuellen manager magazin befassen wir uns mit den neuen Regeln, nach denen das China-Business funktioniert. An dieser Stelle nur soviel: Es handelt sich um völlig andere Verhaltensweisen als dies deutsche Manager gewöhnt sind.
manager magazin
Heft 09/2010
China
Das Geschäftsklima im Reich der Mitte wird härter. Lesen Sie mehr dazu im aktuellen manager magazin 9/2010 ab Seite 86.
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