Ein Gastbeitrag von Jan Poser
Die großen Zentralbanken scheinen momentan kaum zu einer Zinsanhebung bereit. Angesichts der Abschwächung der US-Konjunktur hat die Fed schon erklärt, dass sie gegebenenfalls für stimulierende Maßnahmen bereitstünde. Auch die Schweizer Nationalbank drohte, dass sie im Falle erneuter Deflationsrisiken ihre Deviseninterventionen fortsetzen würde. Selbst die Europäische Zentralbank ließ durchblicken, dass es zu früh wäre, um den Sieg über die Finanzkrise zu erklären.
Kritischer sieht es bei der Fiskalpolitik aus. Einige Staaten werden von den Bondmärkten zum Sparen gezwungen. Insbesondere Südeuropa, Irland und Großbritannien stehen unter Druck. Zwar haben auch einige nordeuropäische Staaten eine Rückkehr zu einem ausgeglichenen Staatshaushalt angekündigt.
Bei genauerer Betrachtung liegt das Gros der Sparmaßnahmen in den Jahren 2012/13. Von hier droht keine Gefahr. Im Gegenteil: Trotz hoher Verschuldung können im Fall der Fälle die USA, die Kernstaaten Europas und die Schweiz ihre laxe Fiskalpolitik fortführen.
Double Dips sind nicht so selten und das mit Grund: Nachdem der erste zyklische Aufschwung nach einer Rezession ausläuft, ist die Wirtschaft noch fragil. Bis sich der Arbeitsmarkt erholt hat, kann ein externer Schock sie aus dem Gleichgewicht bringen. Typischerweise werden diese Schocks durch Politikfehler ausgelöst. Im Moment sind jedoch keine Auslöser in Sicht, doch von einer übermäßigen Sparpolitik drohen die größten Gefahren.
Eine Kurzversion dieses Artikels wurde am 21.8. in der Schweizer Finanz-und-Wirtschaft veröffentlicht.
© manager magazin online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH