Donnerstag, 9. Februar 2012, 22:08 Uhr

manager magazin



31.08.2010
 

Angst vor Rückschlag

Double Dips entstehen durch Politikfehler

Ein Gastbeitrag von Jan Poser

US-Häusermarkt: Die US-Regierung hat den Markt mit Milliardensummen stabilisiert - doch viele US-Bürger sind noch immer hoch verschuldet. Der private Konsum stockt.
AFP

US-Häusermarkt: Die US-Regierung hat den Markt mit Milliardensummen stabilisiert - doch viele US-Bürger sind noch immer hoch verschuldet. Der private Konsum stockt.

Die Angst vor einem erneuten Rückschlag der Weltwirtschaft wächst. Den jüngsten Double Dips gingen jeweils Politikfehler voraus, meint Jan Poser, Chefökonom der Bank Sarasin: Ein übermäßiger Sparkurs könnte die zarte Pflanze Konjunktur rasch abwürgen.

Hamburg - Die makroökonomischen Daten haben sich in den letzten Monaten merklich verschlechtert. Insbesondere aus den USA und China gibt es nun deutliche Anzeichen, dass die zyklischen Indikatoren ihren Zenit im ersten Halbjahr 2010 erreicht haben. Den Investoren wird immer mehr bewusst, dass der starke zyklische Aufschwung, der Mitte 2009 begann, ausläuft, und die Weltwirtschaft wieder auf eine Verlangsamungsphase zusteuert.

Weil die Erinnerung an die tiefste Rezession seit 80 Jahren noch frisch ist, steigt die Sorge vor einem erneuten Konjunkturrückschlag (im Englischen Double Dip genannt). Wie berechtigt ist sie?

Folgt man der rigiden Definition einer Rezession von zwei aufeinanderfolgenden Quartalen negativen Wachstums kann man Doppel-Rezessionen in der US-Wirtschaftsgeschichte kaum ausmachen. Bei genauerer Betrachtung war die Rezession 2001 gar keine (das Wachstum war nur im ersten und dritten Quartal 2001 negativ), und die Rezession 1990/91 dauerte lediglich zwei Quartale. Der einzige Double Dip der jüngeren Geschichte fand zu Beginn 80er Jahre statt.

Das US-BIP-Wachstum war 1980 zwei Quartale negativ und schrumpfte erneut im Winterhalbjahr 1981/82. Für Wirtschaftshistoriker bleibt nur die Referenz an die Rezessionen 1889 und 1913, die ebenfalls als Double Dips qualifizieren. Sind W-Formationen der Konjunktur wirklich so selten?

Bei einer solchen Analyse besteht die Gefahr, dass man die Risiken wegdefiniert. Erweitert man die Definition des Double Dips und zieht anstatt des BIP die Industriedaten zurate, differenziert sich das Bild. Neben dem Double Dip 1980/82 schrumpfte die US-Industrieproduktion auch zu Beginn der 90er Jahre mit kurzer Unterbrechung zweimal zwei Quartale in Folge. Allerdings folgte auf die heftige Industrierezession 2001 Anfang 2003 lediglich ein kurzer Produktionsrückgang, der nicht als zweite Industrierezession qualifiziert.

Öffnet man jedoch den Fokus von der US-Wirtschaft auf den gesamten OECD-Raum, dann wird deutlich, dass alle drei Rezessionen W-förmige Konjunkturverläufe waren. Die Schweiz stellt dafür als kleine offene Volkswirtschaft den besten Maßstab dar. Weil sie dem Welthandel besonders stark ausgesetzt ist, hat sie sowohl 1991 und 1993 als auch 2001 und 2003 eine doppelte Rezession durchlebt. Aus globaler Sicht folgten auf die drei letzten Weltrezessionen eigentlich auch jeweils Double Dips.

Wird es also auch diesmal zwangsläufig zu einem Double Dip kommen? Bei eingehender Analyse der Gründe für die konjunkturellen Rückfälle wird deutlich, dass sie eines gemeinsam haben: Ihnen ging ein Politikfehler voraus. Nach einer ersten Rezession ist der Aufschwung zumeist noch nicht nachhaltig, sodass ein durch eine politische Fehlentscheidung ausgelöster Schock das zarte Pflänzchen Konjunktur rasch abzuwürgen droht.

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Zum Autor

Jan Poser ist Chefökonom und leitender Analyst der Bank Sarasin.

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Heft 09/2010

Amerika in der Falle
Mehr zur prekären Finanzlage der USA lesen Sie im aktuellen manager magazin 9/2010 ab Seite 90.










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