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26.08.2010
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Risiken der Weltwirtschaft

"Dann kommt es zum globalen Beben"

Von Henrik Müller

Immobilienboom in Shanghai: Die Dinge können schnell außer Kontrolle geraten, meint der erfahrene Ökonom William White. Das atemberaubende Kreditwachstum in China und die exorbitante Verschuldung der USA sind nur zwei Risikofaktoren für neue Krisenszenarien.
REUTERS

Immobilienboom in Shanghai: Die Dinge können schnell außer Kontrolle geraten, meint der erfahrene Ökonom William White. Das atemberaubende Kreditwachstum in China und die exorbitante Verschuldung der USA sind nur zwei Risikofaktoren für neue Krisenszenarien.

3. Teil: "Sie fluten das System mit Geld und pumpen damit die nächste Blase auf"

mm: Mr. White, Sie waren als Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) lange einer der profiliertesten Vordenker der Notenbanken der Welt. Frühzeitig haben Sie vor Ungleichgewichten und Blasen gewarnt. Insbesondere den früheren Fed-Chef Alan Greenspan haben Sie immer wieder wegen seiner freigiebigen Geldpolitik kritisiert. Haben Sie etwas bewirkt?

White: Ich hoffe doch. Dass sich Notenbanken gegen den Wind lehnen sollten und Bubbles, vor allem wenn sie mit massivem Kreditwachstum einhergehen, abbremsen sollten, habe ich lange vertreten - inzwischen hat dieser Gedanke den Mainstream des Centralbanking erreicht. Auch wenn das bislang nur Theorie ist.

mm: In der Praxis aber hat sich bislang nichts geändert, oder?

White: Es gibt eine Reihe von großen Finanzmarktkrisen - beginnend mit der Asien-Krise 1997 über den Dotcom-Crash 2000 bis hin zur jetzigen Krise -, und die Notenbanken reagieren immer wieder auf die gleiche Art: Sie senken die Zinsen gegen null, fluten das System mit Geld und pumpen damit die nächste Blase auf. Bislang ist kein Ausstieg aus dieser Logik in Sicht. Es ist zu viel Liquidität in der Welt. Und die manifestiert sich an vielen Stellen.

mm: Akut glauben viele, in China die nächste große Blase zu entdecken. Sie auch?

White: Es sieht ganz danach aus. Nehmen Sie die Entwicklung der Häuserpreise in Peking oder Shanghai. Die Preise haben dort in Relation zum verfügbaren Einkommen Niveaus erreicht, die alles sprengen, was wir im Westen gesehen haben. Oder nehmen Sie das Kreditwachstum: Voriges Jahr haben die Banken in China 50 Prozent mehr Kredite vergeben als im Vorjahr. Das ist ohne Beispiel.

mm: Wenn wir westliche Manager über die Aussichten in China befragen, dann hören wir immer wieder: Die chinesische Führung hat das Problem erkannt, sie hat entsprechende Maßnahmen eingeleitet, kein Grund zur Besorgnis. Offenbar haben sie mehr Vertrauen in die autoritäre chinesische Führung als in unsere westlichen Regierungen. Ist das nicht seltsam?

White: Ich finde es beängstigend. Die meisten Wirtschaftspolitiker machen Fehler, manchmal sogar gravierende. Genauso wie private Entscheidungsträger auch. Es kann gar nicht anders sein - eine Volkswirtschaft ist nämlich ein unglaublich komplexes Gebilde. Es gibt so viele Unsicherheiten, erst recht in einem sich so rasch entwickelten Land wie China. Die Krise sollte uns lehren, dass die Dinge sehr schnell außer Kontrolle geraten können - sogar wenn hoch geachtete Entscheider am Ruder sind.

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Zur Person

www.bis.org

William White ist derzeit Chairman des Economic and Development Review Committee im Economics Department der OECD, war anderthalb Jahrzehnte lang Chefvolkswirt und Leiter der Forschungsabteilung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Von 1995 bis zum Sommer 2008 prägte der Kanadier die europäische Sicht auf die Geldpolitik.

Frühzeitig warnte er vor globalen Ungleichgewichten, hoher Verschuldung, globaler Überschussliquidität und forderte, Notenbanken müssten sich gegen Kapitalmarktblasen stemmen. Mit seinen Analysen und Positionen stand er in Opposition zur US-amerikanischen Sicht, die vor allem durch Fed-Chef Alan Greenspan geprägt wurde. Auch die Positionen der heutigen US-Entscheidungsträger und -Topökonomen sieht er kritisch.

White, inzwischen 67 Jahre alt und im Teil-Ruhestand, lebt mit seiner Familie bei Basel, berät Notenbanken und Regierungen. Kanzlerin Angela Merkel holte ihn voriges Jahr in die Issing-Kommission zur Reform des deutschen Finanzsektors.

Mehr zum Thema in

manager magazin
Heft 09/2010

Amerika in der Falle
Mehr zur prekären Finanzlage der USA lesen Sie im aktuellen manager magazin 9/2010 ab Seite 90.











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