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13.08.2010
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Konjunktur

Hurra, Deutschland?

Von Henrik Müller

Aufschwung in XXL-Format: Wie nachhaltig ist der Boom?
Getty Images

Aufschwung in XXL-Format: Wie nachhaltig ist der Boom?

2. Teil: Deutschlands Stärke stürzt die EZB ins Dilemma

Auch innerhalb Europas steigen die Risiken. Wenn Deutschland den übrigen Euro-Staaten konjunkturell enteilt, ist das innerhalb einer Währungsunion nicht nur ein Quell der Freude, sondern auch ein Problem. Während die Südstaaten in der Rezession verharren und auch Frankreich nur langsam vorankommt, erlebt Deutschland ein überschäumendes Wachstum. Die gemeinsame Notenbank muss aber allen Euro-Mitgliedern gerecht werden; sie muss sich an einem Euroland-Durchschnitt orientieren.

Aber das wird immer schwieriger, weil die monetären Bedürfnisse der Nationen sich auseinanderentwickeln: Deutschland bräuchte eine straffere Geldpolitik, um inflationäre Tendenzen frühzeitig einzudämmen - die fragilen Südländer hingegeben brauchen auf absehbare Zeit weitere monetäre Unterstützung, um ihre Malaise überwinden zu können. Die Europäische Zentralbank gerät in ein kaum lösbares Dilemma, je länger die divergente Entwicklung anhält.

Der Aufschwung ist da, aber die Krise bleibt.

Hurra, Deutschland? Zum Jubeln sind die Risiken zu groß und zu unberechenbar. Entsprechend vorsichtig agieren die Unternehmen: Sie misstrauen der Dynamik. Im aktuellen manager magazin haben wir uns in einem umfassenden Report damit beschäftigt, mit welchen Strategien Unternehmen im heutigen Umfeld fundamentaler Unsicherheit operieren.

"Sie müssen heutzutage sehr schnell reagieren können", sagt Robert Koehler, Chef des Karbon-Konzerns SGL. "Sie müssen zwischen Krise und Boom bei voller Fahrt umschalten können. Außerdem müssen sie in einem derart unsicheren Umfeld ein Unternehmen so ausrichten, dass es aus sich heraus stabiler und damit unempfindlich für externe Einflüsse wird."

Martin Richenhagen, deutscher CEO des US-Landmaschinen-Multis Agco (Fendt), beschwört Vorsicht und Solidität als unternehmerische Tugenden: "Die Krise hat gezeigt, wie wichtig eine solide Finanzierung ist." Möglichst keine Schulden, das ist sein Motto. Die Schuldenquote will er "langfristig auf niedrigem Niveau halten, auch in Boomphasen".

Die tiefe Krise hinterlässt tiefe Spuren - in den Gesellschaften, in den Staatsfinanzen, aber auch im unternehmerischen Verhalten. Wenn es gut läuft, wird die neue Vorsicht den derzeitigen Aufschwung sachte bremsen und auf einen langfristig tragfähigen Wachstumspfad lenken. Und wenn es schlecht läuft? Dann endet der Boom im nächsten Crash.

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Auf schmalem Brett Wie richten sich Topkonzerne auf die Risiken der Weltwirtschaft ein? Lesen Sie mehr dazu im aktuellen manager magazin 8/2010, ab Seite 70.










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