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10.08.2010
 

Rohstoffpreise

Die Inflationsspirale kommt in Gang

Von Henrik Müller

Top 5: Die größten Weizenexporteure der Welt
Fotos
REUTERS

Nahrungsmittel, Energie, Metalle: Die Rohstoffpreise steigen und steigen. Die Hausse kann leicht zu höheren Inflationsraten führen - gerade in Deutschland.

Es ist gespenstisch: Die Szenerie weckt Erinnerungen an die Hunger-Hausse vom Frühjahr 2008. Die Rohstoffpreise verteuern sich dramatisch; der HWWI-Index (ohne Energie) hat in Euro gerechnet seine Höchststände vom Sommer 2008 übertroffen. Die Angst vor Hungerrevolten und politischem Aufruhr geht um.

Und wie im Sommer 2008 treibt die Explosion der Rohstoffpreise die Inflation. Damals stemmten sich einige Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank (EZB), gegen den Preisschub. Gestoppt wurde die Entwicklung schließlich durch die Lehman-Pleite im Herbst 2008 und die folgende Weltrezession.

Jetzt droht abermals ein globaler Inflationsschub, der bei den Rohstoffpreisen beginnt und dann in die übrige Wirtschaft überschwappt. Denn die fundamentalen Tendenzen, die bereits vor zwei Jahren Energie, Nahrungsmittel und Metalle verteuerten, wirken nach wie vor:

  • Die Schwellenländer erleben ein rasches und rohstoffintensives Wachstum. Ob Weizen, Kupfer oder Öl: China, Indien und Co. fragen inzwischen mehr dieser Produkte nach als der Westen. Die rasche Industrialisierung in den Schwellenländern treibt den Bedarf. Und viele hundert Millionen Menschen dort steuern einen westlich geprägten, rohstoffintensiven Mittelklasse-Lifestyle an.
  • Der Westen seinerseits fragt verstärkt Agrarprodukte nach, um unabhängiger vom Erdöl zu werden (siehe den Report im aktuellen manager magazin). Ackerfrüchte gewinnen außerdem an Bedeutung für die Energieversorgung ("Biodiesel") und als Rohstoffe für die Industrie.
  • Die Spekulation verstärkt die realen Knappheiten und sorgt für dramatische Preisausschläge. So reagieren dieser Tage die Weizenmärkte extrem volatil auf Nachrichten über die erntegefährdenden Brände in Russland.
  • Die Notenbanken lassen die Entwicklung laufen. Insbesondere die beiden führenden Geldbehörden der Welt, die amerikanische Fed und die EZB, waren schon in der letzten Rohstoffkrise um die Finanzstabilität besorgt - schon damals war der Geldmarkt zusammengebrochen, was sie von entschlossenem Gegensteuern abhielt. Durch die andauernde Finanz- und Schuldenkrise sind nun neue Prioritäten neben das Ziel Geldwertstabilität getreten. Die Notenbanken selbst haben eine globale Überschussliquidität geschaffen, die nun die Nährlösung für die dramatischen Preisentwicklungen auf den Rohstoffmärkten darstellt.

Es mag auf den ersten Blick abwegig erscheinen, derzeit über Inflationsgefahren zu sprechen. Schließlich sind die Inflationsraten in Europa und Nordamerika niedrig. Außerdem schwächt sich die Konjunktur in den USA gerade abermals ab, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch, und auch in Euro-Staaten wie Irland bereiten eher deflationäre Entwicklungen Sorgen. Selbst teures Öl führt nicht per se zu Inflation, weshalb sich Notenbanken vor allem an der "Kerninflation" orientieren, die die Rohstoffpreise herausrechnet.

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Henrik Müller:
"Sprengsatz Inflation."

Campus Verlag, Februar 2010, 192 Seiten, 17,90 Euro.

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Heft 08/2010

Welt ohne Öl
Wie könnte eine Ökonomie aussehen, die ohne Öl funktioniert? Lesen Sie mehr dazu im aktuellen manager magazin 8/2010, ab Seite 90.










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