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29.07.2010
 

Arbeitsmarkt

Aufschwung macht kaum Sommerpause

Platz im Jobcenter: Das deutsche Jobwunder geht weiter
DDP

Platz im Jobcenter: Das deutsche Jobwunder geht weiter

Trotz der saisonalen Schwäche ist die Arbeitslosenzahl im Juli nur leicht gestiegen. Im Herbst könnte die Zahl unter drei Millionen sinken, die Beschäftigung in Deutschland erreicht einen neuen Rekord. Die Firmen stellen aber vor allem Leiharbeiter ein.

Nürnberg - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juli leicht gestiegen. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte, waren 3,192 Millionen Menschen offiziell als arbeitslos gemeldet. Das seien 39.000 mehr als im Vormonat, aber 271.000 weniger als im Juli 2009. Die Arbeitslosenquote habe sich im Vergleich zum Vormonat von 7,5 auf 7,6 Prozent erhöht.

BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte, die Arbeitslosigkeit sei im Zuge der Sommerpause gestiegen, saisonbereinigt aber wie schon in den Vormonaten gesunken. Die deutsche Wirtschaft sei auf Erholungskurs, und die Lage auf dem Arbeitsmarkt habe sich weiter verbessert.

Saisonbereinigt ergibt sich laut BA für Juli eine Abnahme der Arbeitslosigkeit um 20.000. Auch die Unterbeschäftigung liege unter Vorjahresniveau. Im Vergleich mit der Zeit vor der Wirtschaftskrise seien Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung zwar gestiegen, der Anstieg sei aber erheblich geringer ausgefallen als angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erwartet worden sei. Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hätten in saisonbereinigter Rechnung zuletzt zugenommen.

Die Kurzarbeit verliert laut BA weiter an Bedeutung. Nach vorläufigen Daten sei im Mai an 481.000 Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt worden. Im April seien noch 589.000 und im Mai 2009 mehr als 1,4 Millionen konjunkturelle Kurzarbeiter gezählt worden.

Der Ausbildungsstellenmarkt ist nach Angaben der BA von einem demografiebedingten Bewerberrückgang bei stabilen Ausbildungsangeboten geprägt. Dabei übersteige die Zahl der gemeldeten Bewerber nach wie vor die Zahl der bislang gemeldeten Ausbildungsstellen.

"Die Aussichten sind gut, dass wir bei der Arbeitslosigkeit zum Ende dieses Jahres die 3-Millionen-Marke unterschreiten", erklärte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Donnerstag in Berlin.

DGB glaubt nicht ans Jobwunder

Die positive Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland hat sich im Juni fortgesetzt. Die Zahl der Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland stieg gegenüber dem Vorjahresmonat nach vorläufigen Berechnungen um 131.000 oder 0,3 Prozent auf 40,264 Millionen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Im Mai hatte die Zahl erstmals seit zwölf Monaten wieder über dem Vorjahresergebnis gelegen, und zwar um 0,2 Prozent.

Die Bundesagentur hat unterdessen eingeräumt, dass für einen Teil des Job-Booms die starken Zuwächse bei der Zeitarbeit verantwortlich sind. Für mehr als jede dritte neue Stelle suchten die Betriebe im Juni einen Leiharbeiter. Die neuen Jobangebote von Leiharbeitsfirmen hätten sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt, während die Zahl der übrigen Stellen lediglich um ein gutes Drittel (39 Prozent) zulegte. Entsprechend kletterte der Anteil der Leiharbeitsposten an allen neuen Stellen von 26 Prozent im Januar auf 35 Prozent im Juni.

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist die erfreuliche Entwicklung am Arbeitsmarkt "kein Jobwunder". Grund für die im Jahresvergleich gesunkene Erwerbslosenzahl sei auch die demografisch bedingte Abnahme bei der Zahl der Arbeitskräfte, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach am Donnerstag in Berlin. Deren Zahl sei im letzten Jahr um schätzungsweise 110.000 gesunken.

Hinzu komme eine geänderte statistische Erfassung von Arbeitslosen in Trainingsmaßnahmen. Dies führe im Ergebnis zu einer statistischen Entlastung der Arbeitslosenzahl um bis zu 190.000 Personen. Unter Berücksichtigung aller Teilnehmer an Förderprogrammen seien immer noch 4,3 Millionen Menschen arbeitslos. Dabei seien die Kurzarbeiter noch gar nicht berücksichtigt.

ak/ddp/dpa

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