Mittwoch, 8. Februar 2012, 06:10 Uhr

manager magazin



30.07.2010
 

Investoren für Deutschland

Nicht mal zur WM auffallen

Von Nicole Wildberger

"Deutschland - Land der Ideen": Reklame für Deutschland im Jahr 2006 mit Claudia Schiffer
Land der Ideen/ Foto: Peter Lindbergh

"Deutschland - Land der Ideen": Reklame für Deutschland im Jahr 2006 mit Claudia Schiffer

Es hätte die beste Chance seit Jahren werden können, Investoren für die Bundesrepublik zu begeistern. Doch Deutschlands hauptamtliche Investorenanwerber haben für die Weltmeisterschaft in Südafrika keinen Cent extra übrig gehabt - trotz einer Topbilanz nach der Heim-WM vor vier Jahren.

Hamburg - Die weltweite Wirtschaftskrise hat in den vergangenen beiden Jahren nicht nur die Unternehmen lahmgelegt. Auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik namens Germany Trade & Invest hat sich die Fußball-WM in Südafrika durch die Lappen gehen lassen, um für den Standort Deutschland zu werben.

Das war bei der Fußball-WM 2006 im eigenen Land noch ganz anders. Da lächelte Claudia Schiffer überlebensgroß von Plakaten am Times Square auf die US-Amerikaner nieder und warb unter anderem für tempofreies Rasen auf deutschen Autobahnen, vor allem aber für den Wirtschaftsstandort Deutschland mit seiner vergleichsweise guten Infrastruktur. Höchstselbst eröffnete das Supermodel dann auch gemeinsam mit anderen Prominenten wie Brasiliens dreimaligem WM-Champion Pele in München das Fußballfest 2006 in der Bundesrepublik. Der Erfolg der Kampagne ist bei den Mitarbeitern von Germany Trade & Invest legendär.

Die Früchte der Kampagne, der Claudia Schiffer das Gesicht gab, wurden offenbar in Form ausländischer Direktinvestitionen sichtbar. Wie viele Arbeitsplätze so zusätzlich in Deutschland entstanden, lässt sich zwar nicht exakt beziffern; üblicherweise werden Investitionen erst zwei Jahre nachdem sie angestoßen wurden wirklich sichtbar, sagen erfahrene Wirtschaftsförderer. Und Imagekampagnen können so weitreichende Entscheidungen wie Millionen Euro schwere Investitionen auch nur erleichtern, wahrscheinlich aber nie unabhängig von den wirtschaftlichen Rahmendaten auslösen.

Doch erst langsam wird der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik der Erfolg ihrer damals zuständigen Vorgängerorganisation Invest in Germany richtig bewusst - und damit wohl auch das ungute Gefühl, mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika eine neue, großartige Chance für Deutschland schlicht verpasst zu haben. Denn für erneute Deutschland-Reklame mit Claudia Schiffer oder Heidi Klum und Deutschlands sympathischen Multikulti-Kickern gab es nach Recherchen des manager magazins nicht mal ein besonderes Budget.

Warum dann nicht wenigstens aus anderen Budgets Mittel lockergemacht wurden, konnten oder wollten weder Germany Trade & Invest noch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie beantworten, unter deren Schirmherrschaft die Gesellschaft arbeitet. "Germany Trade & Invest arbeitet unter eigener Schwerpunktsetzung daran, Marketingmaßnahmen für den Wirtschafts-, Investitions- und Technologiestandort Deutschland optimal zu planen und umzusetzen", sagte Wirtschaftsministeriumssprecher Tobias Pierlings auf Nachfrage - und reichte die Verantwortung für die Planung damit weiter.

Vielleicht hat die mangelnde Begeisterung der Bundeswerber im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 aber auch andere Gründe. Da ist zum einen das weltweite wirtschaftliche Umfeld, das sich nach der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab dem Jahr 2008 als erheblich schwieriger für Standortwerbung erwies als in der einsetzenden Aufschwungphase ab dem Jahr 2006. Und zum anderen scheint die Bundesrepublik Deutschland im Außenansehen sowieso deutlich an Wert zu gewinnen. Darauf deuten zumindest Umfragen und Hitlisten vieler Beratungs- und Wirtschaftsunternehmen hin.

So sieht die Studie "Global Competitiveness Index 2009/2010", die auf dem World Economic Forum in der Schweiz veröffentlicht wurde, Deutschland weltweit auf Platz sieben von insgesamt 133 Ländern, die in Sachen Wettbewerbsfähigkeit untersucht wurden. Deutschland wurde im Gegensatz zu seinen Konkurrenten als besonders gut in den Kategorien "Infrastruktur" und "Business Sophistication", also allgemeines Geschäftsumfeld, bewertet.

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