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23.07.2010
 

Dax, Euro, EuroStoxx

Börsianer jubeln über deutsche Wirtschaftsdaten

Mehr Aufträge, bessere Aussichten: Die Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in der Bundesrepublik sind offenbar optimistisch
ddp

Mehr Aufträge, bessere Aussichten: Die Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in der Bundesrepublik sind offenbar optimistisch

Deutschlands Wirtschaft verblüfft die Experten. Nach Umfragen hat sich das Wirtschaftsklima hierzulande im Juli sprunghaft verbessert. Das Münchener Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut registrierte gar den stärksten Schub seit der Wiedervereinigung.

Hamburg - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli so stark verbessert wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg überraschend um 4,4 auf 106,2 Punkte und damit auf das höchste Niveau seit drei Jahren, teilte das Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung am Freitag mit. "Die deutsche Wirtschaft ist wieder in Partylaune", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Analysten waren begeistert. Sie hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 101,6 Zähler gerechnet.

An den Börsen sorgte das Ergebnis für kräftige Kursaufschläge. Der Euro stieg nach Bekanntgabe der Daten über die Marke von 1,29 Dollar. Der EuroStoxx 50 legte gegen Mittag um 0,35 Prozent auf 2.723,76 Punkte zu. Der deutsche Aktienindex Dax baute seine Gewinne aus. "Das ist eine Wahnsinnszahl", sagte Commerzbank-Experte Ralph Solveen. "Das sind bombige Zahlen, unglaublich was da abgeht", sagte auch Dekabank-Experte Andreas Scheuerle. "Diese ganz tolle Zahlen unterstreichen, dass die deutsche Konjunktur im Moment im europäischen Vergleich richtig gut läuft."

Der Anstieg des bedeutendsten deutschen Konjunkturindikators ist so stark ausgefallen, dass sogar Zweifel an der Aussagekraft des Indikators an sich aufgekommen sind. "Dieser Anstieg des Geschäftsklimas passt kaum in die Landschaft, die von Skepsis über die US-Konjunktur, Sorgen um die Staatsfinanzen im Euro-Raum und der Diskussion über den Bankenstresstest beherrscht wird", gleuben die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg.

Die 7000 vom Ifo-Institut befragten Unternehmen schätzten allerdings sowohl die Aussichten für die kommenden sechs Monate als auch die Lage deutlich besser ein als zuletzt. Das Barometer für die Erwartungen stieg um drei auf 105,5 Punkte, der Lage-Index sogar um 5,6 auf 106,8 Punkte. Die Stimmung verbesserte sich in allen großen Branchen: Von der Industrie über den Groß- und Einzelhandel, bis hin zum Bauhauptgewerbe und den Dienstleistern. Teile der Wirtschaft hätten von der Fußball-Weltmeisterschaft und der Hitzewelle profitiert, vor allem die Getränkeindustrie und Gaststätten, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger zu Reuters.

Experten rechnen aber damit, dass die deutsche Wirtschaft ihre Schlagzahl in den kommenden Monaten verringern wird. "Wir werden nicht in diesem Tempo weiterfahren können, dann würde der Motor heiß laufen", sagte Scheuerle. "Die Konjunktur schaltet im zweiten Halbjahr einen Gang zurück, bricht aber nicht ein." Von Reuters befragte Analysten rechnen für das laufende dritte Quartal mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent nach 1,0 Prozent im Frühjahrsquartal.

kst/ddp/reuters

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mm-Konjunktur-Indikator

Der mm-Konjunktur-Indikator zeigt den voraussichtlichen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland im Durchschnitt des gesamten laufenden Jahres sowie des kommenden Jahres an. Er liefert damit erstmals eine monatlich aktualisierte Vorausschau für jene Zahl, die wie keine andere für den Erfolg oder Misserfolg unserer Wirtschaft steht: das Wirtschaftswachstum, gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Neues Verfahren

Zeithorizont

Irrtumswahrscheinlichkeit

Konjunkturtest


Der Ifo-Index

Das Ifo-Institut bittet monatlich rund 7000 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Großhandels und des Einzelhandels, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate mitzuteilen. Die Unternehmen können ihre Lage mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" und ihre Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate als "günstiger", "gleich bleibend" oder "ungünstiger" kennzeichnen.

Der Saldowert der gegenwärtigen Geschäftslage ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten "gut" und "schlecht", der Saldowert der Erwartungen ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten "günstiger" und "ungünstiger".

Das Geschäftsklima errechnet sich aus dem Mittelwert der Umfrageergebnisse zur Geschäftslage und zu den Erwartungen. Zur Berechnung der Indexwerte werden diese transformierten Salden jeweils auf den Durchschnitt des Jahres 2000 bezogen.








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