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21.07.2010
 

Plötzlicher Knick

Deutscher Aufschwung angeschlagen

Ein Gastbeitrag von Carsten-Patrick Meier

Geringeres Auftragsplus als zuletzt: Deutschlands Wirtschaft verliert Schwung
Corbis

Geringeres Auftragsplus als zuletzt: Deutschlands Wirtschaft verliert Schwung

Erst das fulminante Aufbäumen, jetzt droht der Rückfall ins Stotterwachstum: Der Wachstumsindikator des manager magazin für die deutsche Wirtschaft ist im Juli deutlich zurückgefallen. Das könnte der erste Hinweis sein, dass die Konjunktur in Deutschland im weiteren Jahresverlauf spürbar verflacht.

Hamburg - Die Aussichten für die die Wirtschaft hierzulande haben sich etwas eingetrübt. Der Wachstumsindikator des manager magazin, der mm-Indikator, der den voraussichtlichen den Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) gegenüber dem Vorjahr anzeigt, ist im Juli auf einen Wert von 1,6 Prozent zurückgefallen. Er liegt jetzt nur wenig höher als in den ersten Monaten des Jahres.

Der Rücksetzer fiel vor allem deshalb so deutlich aus, weil in der jüngsten Juni-Konjunkturumfrage des Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts deutlich mehr Manager mit einer Verschlechterung der Geschäftslage ihres Unternehmens rechneten als im Mai. Dass gleichzeitig mehr Manager als im Mai eine Verbesserung ihrer derzeitigen Geschäftslage meldeten, vermochte den Rückgang der Erwartungskomponente der Umfrage nicht auszugleichen, auch weil für den Stand das des mm-Indikators im Juli die Erwartungen eine größere Bedeutung haben als die derzeitige Lage.

Das Stimmungsbild bei den Managern in Deutschland deckt sich weitgehend mit dem in anderen Ländern. In den USA ist der viel beachtete Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply-Chain Management (ISM) im Juni merklich gefallen und liegt nun auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2009. Im europäischen Ausland haben die Einkaufsmanagerindizes ebenfalls ihre bisherigen zyklischen Höchststände überschritten. Und selbst die Manager in den wachstumsstarken Schwellenländern vermelden verschlechterte Absatzaussichten.

Das ist unter dem Strich eine kleine Überraschung, und zwar eine unangenehme. Zwar war damit zu rechnen, dass die Wirtschaft hierzulande nicht bis zum Jahresende im gleichen Tempo wie in der ersten Jahreshälfte zulegen würde. Denn die Wiederauffüllung der Läger, die zuvor in der Rezession dramatisch abgebaut worden waren, dürfte weltweit mittlerweile weitgehend abgeschlossen sein; das drückt auf die Nachfrage. Zudem stecken die Staaten weniger Geld in die Wirtschaft als während der Krise, um die Konjunktur anzukurbeln. Insofern sollte die Tatsache, dass sich die Geschäftserwartungen der Manager einzutrüben beginnen allein noch nicht stutzig machen.

Allerdings fiel die Abwärtskorrektur bei den Erwartungen doch etwas stärker aus als in vergleichbaren konjunkturellen Situationen in den vergangenen Dekaden. Und auch die übliche weitere Verbesserung der Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage war nicht ganz so kräftig wie im üblichen konjunkturellen Muster. Beides deutet darauf hin, dass die Abkühlung der Konjunktur wohl früher eingesetzt hat als bisher erwartet und möglicherweise auch stärker ausfällt. Nachdem mittlerweile klar ist, dass eine Reihe von Ländern ihre öffentlichen Haushalts rasch durchgreifend konsolidieren müssen, wenn sich keinen weiteren Anstieg der Risikoprämien auf ihre Staatsanleihen riskieren wollen, zeichnet sich ein langsamerer Anstieg der Auslandsnachfrage nach deutschen Produkten ab, als bisher unterstellt.

Erstes Indiz dafür ist, dass die Auftragseingänge in der Industrie im Mai erstmals seit Monaten wieder gesunken sind, vor allem aufgrund eines merklichen Rückgangs der Aufträge aus dem übrigen Euroraum. Nach einem fulminanten zweiten Quartal - wir rechnen mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 6 Prozent - dürfte die Konjunktur in Deutschland im weiteren Jahresverlauf verflachen.

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Zum Autor

Carsten-Patrick Meier, Geschäftsführer und Mitinhaber des privaten Forschungsinstituts Kiel Economics, gilt als einer der besten Kenner der deutschen Konjunktur. Zwischen 1998 und 2008 leitete er am Kieler Institut für Weltwirtschaft zunächst die Forschungsgruppe "Deutsche Konjunktur" und später den Forschungsbereich "Risiken im Bankensektor".

Für das manager magazin erstellt er seit Juni 2010 den mm-Indikator, die erste monatlich aktualisierte Vorausschau auf die jährliche Wachstumsrate der deutschen Wirtschaft.

mm-Konjunktur-Indikator

Der mm-Konjunktur-Indikator zeigt den voraussichtlichen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland im Durchschnitt des gesamten laufenden Jahres sowie des kommenden Jahres an. Er liefert damit erstmals eine monatlich aktualisierte Vorausschau für jene Zahl, die wie keine andere für den Erfolg oder Misserfolg unserer Wirtschaft steht: das Wirtschaftswachstum, gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Neues Verfahren

Zeithorizont

Irrtumswahrscheinlichkeit

Konjunkturtest



Das Institut

Das private Wirtschaftsforschungsinstitut Kiel Economics ist eine Ausgründung aus dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Die Geschäftsführer, Carsten-Patrick Meier und Jonas Dovern, waren im Prognosezentrum des IfW und in verschiedenen Forschungsbereichen des Instituts tätig. In den vergangenen Jahren waren sie maßgeblich an der Erstellung der regelmäßigen Konjunkturprognosen des IfW und an der Erarbeitung der Frühjahrs- und Herbstgutachten im Rahmen der Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute beteiligt. Darüber hinaus kooperieren sie mit Wissenschaftlern an anderen Wirtschaftsforschungsinstituten und an Universitäten.

Ab Herbst 2010 wird Kiel Economics in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Auftrag des Bundewirtschaftsministeriums an der Gemeinschaftsdiagnose mitwirken.

Die Kernkompetenzen des Instituts liegen in der Analyse gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge und in den Bereichen quantitative Modellierung und Prognoseverfahren. Außer den Ergebnissen volkswirtschaftlicher Forschung, insbesondere der Makroökonomik und der Ökonometrie, berücksichtigen die Kieler Forscher in ihren Analysen, Prognosen und Modellierungen auch Erkenntnisse aus anderen Bereichen – darunter Financial Economics und Behavioral Finance, Organisationswissenschaften, Psychologie und Betriebswirtschaftslehre.







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