Von Henrik Müller
Was bleibt von all den Reformideen? Viele interessante Gedanken, einige große Visionen, aber vermutlich wenig Konkretes. Denn all die Ideen setzen die Bereitschaft der Nationalstaaten voraus, ihre Geld- und Währungspolitik internationalen Institutionen zu unterwerfen. Und diese Institutionen sollen ihnen schwierige und unpopuläre Entscheidungen abnehmen, denn insgesamt muss die Welt künftig einen strafferen geldpolitischen Kurs steuern und die Ära der globalen Liquiditätsschwemme beenden.
Die internationalen Institutionen sollen letztlich harte Entscheidungen treffen, bei denen viele Nationalstaaten bislang individuell versagen. Darin steckt eine theoretische Logik: In einer offenen Weltwirtschaft kann sich letztlich kein Land von globalen Preisentwicklungen vollständig abkoppeln. Die weltweite Liquidität schwappt über die Grenzen und treibt die Preise für Vermögenswerte in die Höhe; steigende Preise für Importgüter, zumal für Rohstoffe, setzen eine grenz überschreitende Inflationsdynamik in Gang. In einer integrierten Weltwirtschaft wird es noch schwieriger, sich einem globalen Inflationsschub wie in den siebziger Jahren zu entziehen, als es einigen Ländern, insbesondere Deutschland und der Schweiz, gelang, sich mit einer entschlossenen Geldpolitik teilweise von der Großen Inflation abzukoppeln. Doch damals waren die Volkswirtschaften relativ geschlossen, im Außenhandel und im internationalen Kapitalverkehr wurden weit geringere Volumina umgeschlagen als heute.
Wenn sich kein Land individuell vom globalen Inflationszug abkoppeln kann, wenn jedes Land auch die Preisentwicklung in der restlichen Volkswirtschaft mitbeeinflusst, dann ist es notwendig, nach kollektiven Lösungen zu suchen. Im Jargon der Ökonomen: Wenn das internationale Geldwesen ein globales "öffentliches Gut" ist, dann müssen sich alle gemeinsam um seine Stabilität kümmern. Denn für jedes einzelne Land besteht ein starker Anreiz, sich wie ein free rider, ein "Trittbrettfahrer", zu verhalten und nichts zur internationalen Geldstabilität beizutragen. Ähnlich wie beim Schutz der Erdatmosphäre bedarf es globaler Regeln und globaler Institutionen, die das globale Gemeinschaftsgut schützen.
Die Staatengemeinschaft müsste sich zu einem großen Ziel zusammenraufen: zum koordinierten Ausstieg aus dem globalen Inflationskartell.
Wird es dazu kommen? Es sieht nicht danach aus. Zu viele Staaten mit zu unterschiedlichen Interessen müssten kooperieren. Zu groß wäre der Verlust an nationaler Autonomie. Währenddessen steuert die Welt auf die nächsten Phasen der Krise zu: Staatsbankrotte, Inflation, Währungszusammenbrüche.
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