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30.06.2010
 

Das internationale Währungschaos (VI)

Bausteine für ein neues Geldsystem

Von Henrik Müller

Mehr als nur eine Währung: Der Euro ist ein ein hochaufgeladenes Symbol - anders als der US-Dollar
DDP

Mehr als nur eine Währung: Der Euro ist ein ein hochaufgeladenes Symbol - anders als der US-Dollar

Der Euro in der Krise, Dollar und Pfund angezählt- um auf einen soliden Entwicklungspfad zurückzufinden, braucht die Welt dringend ein neues Währungssystem. Im letzten Teil der Serie zeigt manager magazin, wie eine künftige Geldordnung aussehen könnte.

Hamburg - Für den früheren deutschen Finanzminister Peer Steinbrück war der Euro viel mehr als schnödes Geld: "In vielen Teilen der Welt wächst die Nachfrage danach, wofür Europa steht: für dauerhaften Frieden, Freiheit und Wohlstand. Das Modell Europa ist attraktiv für die Welt, weil es mehr als andere Modelle auf Toleranz und friedliches Miteinander setzt." Der Euro - ein multinationales Geld, ein hochaufgeladenes Symbol, nicht nur profanes Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel.

Auch wegen solcher ideologischen Vorteil sahen viele Fachleute Europas Geld als Konkurrenz zur Weltwährung Dollar. Es ist längst klar, dass der Dollar auf Dauer nicht mehr als wichtigste Weltwährung taugt. Die Krise hat es eindrucksvoll bewiesen. Warum wählen die Schwellenländer, die sich bislang an den Dollar gekettet haben, dann nicht die naheliegende Alternative: den Euro?

Viele US-kritische Schwellenländer würden sich vom Dollar abwenden und ihre Währungsreserven mindestens teilweise in Euro umschichten. Viele Beobachter haben es so kommen sehen. Und tatsächlich schien die Gemeinschaftswährung eine immer prominentere internationale Rolle zu spielen. Denn in der Tat ist Europas Gemeinschaftsgeld die erste Währung seit Jahrzehnten, die dem Dollar als internationales Zahlungsmittel ernsthaft Konkurrenz macht. Das Eurogebiet ist den USA als Volkswirtschaft durchaus ebenbürtig: Wirtschaftskraft und Bevölkerungszahl sind vergleichbar, der Anteil am internationalen Handel Europas ist größer. Die Finanzmärkte sind ähnlich groß, die Euroanleihemärkte sind sogar größer als die amerikanischen, wenn auch nach wie vor national segmentiert. Der Bargeldumlauf in Euro ist größer als der in US-Dollar.

Allerdings dominiert der Dollar immer noch als Vehikelwährung (beim Tausch von Drittwährungen finden die Transaktionen meist über eine hochliquide Drittwährung, das "Vehikel", statt). Auch werden immer noch zwei Drittel der offiziellen Devisenreserven in Dollar gehalten, auch wenn der Anteil des Euro langsam, aber stetig gestiegen ist.

Aber Europa hat auch grundlegende Schwächen, die gerade im Zuge der Finanzkrise aufgebrochen sind. Seine wackligen Staatsfinanzen und die inneren Ungleichgewichte bekommt es nicht in den Griff, und die Regierungen können sich nicht auf ein Instrumentarium zur Lösung der Probleme einigen. Um Staatsbankrotte einzelner Mitgliedstaaten abzuwenden, ist es auf Hilfe des Internationalen Währungsfonds angewiesen, also auch auf Gelder der Amerikaner, Japaner, Chinesen. Über den weiteren politischen Kurs - Richtung Bundesstaat mit eigener Verfassung oder zurück zum reinen Binnenmarkt - herrscht Uneinigkeit und deshalb Unsicherheit. Es kann sein, dass Europa und seine Währung ihren Zenit bereits überschritten haben.

Der Euro ist deshalb kein offensichtlicher Ersatzkandidat für den angeschlagenen Dollar. Kaum jemand rechnet denn auch damit, dass der Euro den Dollar als Weltwährung komplett ersetzen wird. Aber er ist eine Option für all jene Staaten der Welt, die ihre Abhängigkeit von der US-Währung verringern wollen.

Womöglich bildet sich ein Mehr-Währungssystem heraus, wie es das bis zum Ersten Weltkrieg bereits gegeben hatte, als das bis dahin dominierende britische Pfund allmählich Konkurrenz bekam durch den französischen Franc und die Deutsche Reichsmark, deren Platz später der US-Dollar einnahm. Allerdings, auch ein bipolares Währungssystem, basierend auf Dollar und Euro, würde das Grundproblem nicht lösen: die fehlende Anpassung der Wechselkurse an neue wirtschaftliche Bedingungen, wodurch ja erst die Liquiditätsschwemme, der Boom und der Crash ausgelöst wurden. Es bedarf also anderer, innovativerer Lösungen.

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Campus Verlag, Februar 2010, 192 Seiten, 17,90 Euro.

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