Donnerstag, 9. Februar 2012, 18:28 Uhr

manager magazin



Weltwirtschaftmanager magazin RSS  - Weltwirtschaft - Weltwirtschaft

Alle Artikel und Hintergründe

26.06.2010
 

Das Internationale Währungschaos (II)

Manipulation im großen Stil

Von Henrik Müller

Gegengewicht zum Westen: Der Kreml in Moskau
dpa

Gegengewicht zum Westen: Der Kreml in Moskau

4. Teil: Überhitzung noch künstlich angefacht

Genau das ist die Krux: Glaubwürdig eigenständige Notenbanken kann es nur in funktionierenden Demokratien geben, und auch dort ist die Bewahrung der Unabhängigkeit schwierig genug. Viele Schwellenländer aber werden autoritär regiert. Behördliche Willk ür ist an der Tagesordnung. Natürlich könnten sie ihre Notenbanken für unabhängig erklären. Nur vertrauen würde darauf niemand. Mit einem Federstrich, einem Dekret, einem Anruf kann die autoritäre Staatsführung der Währungsbehörde Weisungen erteilen, und sie muss sich dafür anschließend vor niemandem rechtfertigen. Also verfallen die autoritären Herrscher auf einen Trick: Sie borgen sich Glaubwürdigkeit bei den Währungen der großen demokratischen Volkswirtschaften – beim Dollar und, bislang selten, beim Euro. Indem sie den Wert ihres nationalen Geldes an eine Weltwährung koppeln, versuchen sie, Vertrauen zu importieren.

Eine globale Tendenz ist erkennbar: Je weniger Legitimität die Institutionen eines Staates genießen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die nationale Währung an eine fremde Ankerwährung gebunden ist. Deshalb haben sich China, Vietnam und die meisten Ölexporteure mit festen oder gleitenden Wechselkursen an den Dollar gebunden, deshalb manipulieren Russland und andere ehemalige sowjetische Staaten ständig die Devisenmärkte. Nur in der Gruppe der Länder mit freien Wechselkursen und eigenständiger Geldpolitik sind die Demokratien in der Mehrheit. Die verbreitete Unselbstständigkeit der Notenbanken schürt die Inflation. Statt die Zinsen anzuheben, folgen sie dem Niedrigzinskurs der amerikanischen Notenbank. In China, Russland und am Persischen Golf sind die Zinsen über Jahre real (nach Abzug der Inflation) negativ gewesen, was die Überhitzung noch angefacht hat.

Aus dieser Situation gibt es keinen schnellen Ausweg. Schon in den 80er Jahren fiel es westlichen Ländern schwer, ihre Notenbanken in die Unabhängigkeit zu entlassen und ihre Währungen zu stabilisieren. Und das waren etablierte Demokratien. Die Folge dieser währungspolitischen Abhängigkeiten ist das Phänomen der globalen Ungleichgewichte. Und ihrem Gegenstück: den gigantischen Devisenreserven.

Lesen Sie morgen den nächsten Teil der Serie: Die Welt im Ungleichgewicht.

Diesen Artikel...

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Buchtipp

Henrik Müller:
"Sprengsatz Inflation."

Campus Verlag, Februar 2010, 192 Seiten, 17,90 Euro.

Buch bestellen









Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service manager magazin mobilmm mobil Twitter-FeedsTwitter-Feeds
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und LizenzenNachdrucke WährungsrechnerWährungsrechner
Ihr persönliches DepotDepot Newsletter-Abo: managerupdateNewsletter-Abo Werbung buchenWerbung buchen
E-MailE-Mail RSSRSS-Newsfeed Info: Wir über unsWir über uns
KurseKurse Der Shop von manager magazin und Harvard Business ManagerShop manager-magazin.de als Startseite einrichtenmm.de als Startseite
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Nach oben