Von Henrik Müller
Bereits 2008 versprachen sie: Irgendwann muss damit Schluss sein, irgendann müssen wir zu einer Politik des strikteren Geldes zurückkehren. Doch statt der angekündigten "Exit-Strategien" pumpen die wichtigsten Notenbanken des Westens - die amerikanische Federal Reserve, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England - weiterhin massiv flüssige Mittel in die Märkte. Die EZB sieht sich wegen der Euro-Krise gezwungen, Staatsanleihen in großem Stil zu kaufen, um einen Bankrott der Südländer zu verhindern - noch vor wenigen Monaten ein geldpolitisches No-Go-Area. Die Bilanzsummen aller westlichen Notenbanken haben sich massiv ausgeweitet. Sie sind wieder auf dem Stand des bisherigen Krisenhöhepunkts um die Jahreswende 2008/9, wie eine aktuelle Morgan-Stanley-Studie zeigt.
Alles wie gehabt.
Entsprechend ist ein Ausstieg aus der Bubble-Economy nicht in Sicht. Das zeigt sich insbesondere an den Immobilienmärkten. Obwohl die Preise in vielen Ländern auch nach den Rückgängen der vergangenen zwei Jahre immer noch sehr hoch sind, werden Häuser bereits wieder teurer. Und zwar fast rund um den Globus. In drei Vierteln der OECD-Länder ziehen Immobilien wieder an, wie die Pariser Organisation kürzlich ermittelte. In China ist der Immobilienmarkt derart überhitzt, dass sich der Staat jetzt mit regulatorischen Maßnahmen gegen den Boom stemmt. Parallel dazu steigen die Kreditvolumina massiv an - der klassische Mix einer gefährlichen Blase, die irgendwann zu platzen und nachhaltige Verwüstungen nach sich zu ziehen droht.
Alles wie gehabt.
Eine Neuorientierung der internationalen Währungspolitik lässt auf sich warten. Denn dies ist eines der Grundprobleme der heutigen Weltwirtschaft: Die Geldverhältnisse sind aus dem Ruder gelaufen. Die "globale Überschussliquidität" - jener Teil des im Markt befindlichen Geldes, das nicht für realwirtschaftliche Transaktionszwecke benötigt wird - ist stark gestiegen. Warum? Weil die Notenbanken zu lange einen expansiven Kurs gesteuert haben. Und weil die Liberalisierung der Finanzmärkte den Banken und den "Schattenbanken" immer neue Wege der Kreditschöpfung eröffnet hat. Daher die Bubbles und die folgenden Crashes, daher die Ungleichgewichte - alles in früher unbekannten Größenordnungen.
Also: Alles wie gehabt?
Die G20 haben sich vorgenommen, die Welt auf einen solideren Wachstumspfad zurückzuführen. Das ist gut so. Doch dazu bedarf es entschlossener Reformen vor allem auf diesen beiden Feldern: Finanzmarktregulierung und Währungspolitik.
Beides lässt zu wünschen übrig.
Alle Banken, Schattenbanken, Finanzprodukte und Finanzplätze müssen reguliert werden.. Und die Währungspolitik muss sich wieder stärker an der Entwicklung der realen Wirtschaft orientieren. Das gilt für den Westen. Das gilt ebenso für die Schwellenländer, die inzwischen so groß sind, dass sie ihre fortgesetzten Währungsmanipulationen die globalen Güter- und vor allem die Kapitalströme gefährlich verzerren.
In den kommenden Tagen werden wir anlässlich des G20-Gipfels in der Serie "Das internationale Währungschaos" die Zukunft des globalen Geldsystems analysieren.
Lesen Sie morgen den nächsten Teil der Serie: Manipulation im großen Stil
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