Und weil die Europäische Zentralbank (EZB) mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten schwächerer Länder vor allem im Süden Europas die Zinsen noch niedrig hält, freuen sich auch Kreditnehmer hierzulande über günstige Konditionen.
So weit die komfortable Lage der Bundesrepublik im Status quo. Auch diese Medaille hat jedoch eine Kehrseite. Und die, das lässt sich in jedem Lehrbuch nachlesen, heißt importierte Inflation.
Der Hintergrund: Im gleichen Maße, wie die deutschen Exporte auf dem Weltmarkt durch die Euro-Schwäche billiger werden, steigen auch die Preise, die hierzulande für eingeführte Waren und Dienstleistungen gezahlt werden müssen. Die Dimension ist nicht zu unterschätzen: Laut Statistischem Bundesamt steht dem Exportwert von 979 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ein Importwert von 866 Milliarden Euro gegenüber.
Einfuhrposten Nummer eins mit einem Volumen von mehr als 70 Milliarden Euro sind Produkte der Unterhaltungselektronik, Fernseher, Computer, Kameras und Ähnliches also. Es folgen mit 60 Milliarden Euro Autos und Autoteile und mit 55 Milliarden Euro die Importe von Erdöl und Erdgas. Dahinter chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Maschinen, Nahrungs- und Futtermittel.
Was sich hinter dem akademisch klingenden Begriff der importierten Inflation praktisch verbirgt, erleben Autofahrer schon heute täglich an der Tanksäule. "Der Ölpreis ist seit Anfang Mai deutlich gefallen", sagt Jörg Hinze, Volkswirt vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). "Dass die Benzinpreise hierzulande nicht ebenso zurückgegangen sind, liegt in erster Linie daran, dass gleichzeitig der Euro gegenüber dem Dollar so stark an Wert verloren hat." Umgekehrt bedeutet das: Ein möglicher Anstieg des Ölpreises in Kombination mit einem weiter fallenden Euro-Kurs könnte sich auf das deutsche Preisniveau verheerend auswirken.
Damit bekommt die Inflationsangst, die sich hierzulande ohnehin breitmacht, zusätzliche Nahrung. Umfragen zufolge befürchtet mehr als die Hälfte der Deutschen, dass künftig die Geldentwertung zunehmen wird. Grund dafür dürfte vor allem die starke Ausweitung der Geldmenge angesichts der Geldpolitik der EZB sein.
Aber auch die Entwicklung des Euro-Kurses rechtfertigt solche Sorgen. "Noch können die Unternehmen Kostensteigerungen kaum an die Verbraucher weitergeben, weil die Wettbewerbssituation angesichts der noch schwachen Konjunktur dies nicht zulässt", sagt Volkswirt Hinze. "Sollte die Wirtschaft aber wieder mehr Fahrt aufnehmen, ändert sich das."
Spätestens dann dürfte sich die importierte Inflation auch anderswo bemerkbar machen. Nicht nur an der Tanksäule.
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