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03.06.2010
 

Wegen Schuldenkrise

Banken sollen wieder Staaten dienen

Von Matthias Kaufmann

Götz Werner: "Niemand käme auf die Idee, etwa beim Fußball die Regeln abzuschaffen"
dm-drogerie markt

Götz Werner: "Niemand käme auf die Idee, etwa beim Fußball die Regeln abzuschaffen"

Die Geldhäuser haben die Schuldenkrise der Staaten mit verursacht, unter der Europa ächzt. Das sagt DM-Gründer Götz Werner im Gespräch mit dem manager magazin - und weist zugleich unserer Gesellschaft den anderen Teil der Schuld zu. Jetzt müsse der Mensch in das Zentrum des Handelns rücken.

mm: Professor Werner, Sie haben sich als Unternehmer für eine Wirtschaftsethik starkgemacht, die nicht allein der Gewinnmaximierung dient. Was können wir aus der Euro-Krise, der Schuldenkrise und der Finanzmarktkrise lernen?

Werner: Ich denke, dass diese Krisen einen gemeinsamen Kern haben. Immer wieder wird in der Wirtschaft der Mensch aus dem Blick verloren. Jeder, der unternehmerisch tätig ist, muss sich bewusst sein, dass sein Handeln den Bedürfnissen der Menschen dienen muss, wenn es erfolgreich sein soll.

mm: Und das klappt nicht?

Werner: Das Ziel muss sein, möglichst genau zu treffen, was Menschen wollen. Wenn das Ziel jedoch maximaler Gewinn ist, werde ich die Bedürfnisse der Menschen bestenfalls zufällig treffen.

mm: Gewinn ist per se nichts Schlechtes.

Werner: Ja, aber der Gewinn muss dem Ziel dienen, für die Menschen zu wirtschaften. Er ist nicht Zweck, sondern Mittel des Unternehmertums. Egal ob ich die Konsumbedürfnisse der Menschen mit Zahnpasta stille oder mit der Herausgabe eines Wirtschaftsmagazins: Ohne Gewinn halte ich das nicht lange durch.

mm: Was ist der Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise?

Werner: Immer dann, wenn der Gewinn im Mittelpunkt steht, verliert man den Bezug zur Realwirtschaft. Das ist nämlich der Terminus für die Wirtschaft, die an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist. Die Finanzmärkte haben ihre Existenzberechtigung, weil sie ursprünglich der Realwirtschaft dienen. Die Finanzmärkte haben sich aber zu einem großen Teil von dieser dienenden Funktion abgekoppelt. Sie sind nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern zu ihrem eigenen Zweck geworden.

mm: Das allein führt in die Krise?

Werner: Aber ja! Denn derart entkoppelt, hat man große Räder gedreht, wie es immer heißt, die keinen Bezug zu realen Werten hatten. Das Spielgeld, um das es dabei ging, war nichts wert. So konnte großer Schaden entstehen, denn die Schulden, die angehäuft wurden, bleiben sehr reell in den Büchern stehen.

mm: Also haben uns die Banken das neue Ausmaß der Schuldenkrise eingebrockt?

Werner: Sie tragen daran Mitschuld. Schuld sind aber auch die, die nicht regulierend eingegriffen haben. Die Gesellschaft als Ganzes muss sich fragen, warum sie das hat geschehen lassen, warum sie nicht mehr Druck gegen diese Kasinospiele gemacht hat. Und nicht zuletzt haben die Politiker versagt, die nicht nur auf Regulierung verzichtet, sondern bestehende sinnvolle Regeln sogar abgeschafft haben. Die Regulierung ist Aufgabe der Politik.

mm: An welche Regeln denken Sie?

Werner: Einschneidend war wohl, dass die USA unter der Regierung Clinton die Trennung zwischen Investmentbank und Kreditbank aufgehoben haben und den Banken erlaubt wurde, Eigengeschäfte zu machen. Damit wurde es möglich, dass die Banken sich mehr mit sich selbst beschäftigen als mit ihren Kunden. Das war das Ergebnis einer neoliberalen Fehleinschätzung.

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