Dienstag, 19. Juni 2018

Windkraft, E-Autos, Grünfonds Öko-Lügen und andere bittere Wahrheiten

Hält's? Windkraftanlage in Hessen, neu installiert und deswegen erst einmal blitzsauber.

5. Teil: 4. Fonds: Die Grünwaschanlage

Zopf und Sandalen, orangefarbenes T-Shirt; stets umwehte Carsten Rodbertus (56) die Aura eines Nachhaltigkeitsgurus. Der Prokon-Gründer stellte seine Windfirma spektakulär in den Schatten: Sie musste Insolvenz anmelden, Rodbertus gehen. Zigtausende Anleger hatten ihr Erspartes in - so grausam kann Sprache sein - Genussrechte investiert; einen großen Teil davon sehen sie nicht mehr wieder.

Auch andere hat's kalt erwischt: Windreich, Conergy, Solar Millennium, den Holzstiftespezialisten German Pellets - und zuletzt den Bonner Sonnenanbeter Frank Asbeck (58), der einfach nicht aufgeben mag und einen Teil seines faillierten Milliardenunternehmens Solarworld weiterführt.

Oft folgen den Bankrotten Anklagen wegen Insolvenzverschleppung oder gar Betrug. Das Ökoregime aus garantierter Staatsknete, so scheint es, zieht immer wieder Abzocker an und unternehmerische Leichtgewichte, die sich an gutgläubigen Anlegern vergehen.

Sich mit einem grünen Saubermannimage zu schmücken, fällt oft gar nicht schwer. Der boomende Markt für Ökoanleihen lädt ebenfalls dazu ein. Die Neuemissionen der sogenannten Green Bonds steigen seit Jahren rasant. Einiges davon ist allerdings schlichtweg Greenwashing.

Das Problem: Es fehlen einheitliche internationale Standards. Was für die einen so gerade noch als grün durchgeht, ist für andere schon dunkelgelb bis braun. So hat der spanische Konzern Repsol in diesem Frühjahr einen Ökobond über 500 Millionen Euro emittiert. Repsols Kerngeschäft: Erdöl. Und auch Frankreichs EDF zielt regelmäßig auf das gute Anlegergewissen - dabei ist die Firma Europas größter Atomkraftbetreiber.

© manager magazin 11/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH