Dienstag, 19. Juni 2018

Windkraft, E-Autos, Grünfonds Öko-Lügen und andere bittere Wahrheiten

Hält's? Windkraftanlage in Hessen, neu installiert und deswegen erst einmal blitzsauber.

4. Teil: 3. Stromverkauf: Die Ökoschummler

Gero Lücking (54), Geschäftsführer Energiewirtschaft des Hamburger Ökostromanbieters LichtBlick, wählt seine Worte normalerweise mit Bedacht. Doch beim Thema Strommix kann er sich richtig in Rage reden: "Eigentlich sollten Verbraucher aufgeklärt werden, aber der Versuch endet in maximaler Falschinformation."

LichtBlick hat mit fünf anderen Partnern untersucht, wie sich der Strom von 40 Energieanbietern zusammensetzt. Ergebnis: Jeder vierte trickst, gibt sich umweltfreundlicher, als er in Wahrheit ist.

Die Schummler nutzen eine verwirrende Regelung im Gesetz. Die sieht vor, dass bei der Stromkennzeichnung die sogenannte EEG-Umlage mit ausgewiesen werden muss. Damit finanziert jeder Verbraucher den Bau von Wind- und Solarkraft. Der Staat wollte auf diese Weise Transparenz schaffen, das Gegenteil ist eingetreten.

Die E-Mauschler schlagen die Umlage einfach auf ihren Grünstromanteil auf, also jene Charge, die sie wirklich aus erneuerbaren Energien beziehen. Und gerieren sich als vermeintliche Ökomusterschüler. So warben etwa die Stadtwerke Kiel damit, "über 47 Prozent" der Elektrizität stamme "aus regenerativen Quellen". Tatsächlich kauften sie nur ein paar Prozent sauberen Strom für ihre Kunden ein. Mittlerweile haben die Holsteiner ihre Kommunikation zwar leicht angepasst, behaupten aber immer noch, "vermehrt auf klima- und umweltschonende Erzeugungsarten" zurückzugreifen.

Konsumentenschützer haben Energieversorger bereits wegen Irreführung abgemahnt. Es ist wie so oft im durchregulierten deutschen E-Staat: Eine neue Vorschrift muss her. Ein Forschungs- und Beratungsauftrag wurde schon erteilt, die Ergebnisse sollen Anfang Dezember in einem sogenannten Stakeholder-Workshop des Bundeswirtschaftsministeriums vorgestellt werden. Lücking: "Wir machen weiter Druck."

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