Sonntag, 11. Dezember 2016

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Fahrdienstvermittler Der Uber-Fall

Von Google bis Goldman: Ubers glückliche Investoren
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DPA

Chuzpe, viel Kapital und noch mehr Testosteron: Uber-Chef Travis Kalanick will mit seiner Fahrdienstvermittlung die Welt überrollen. Wenn Umstände und Vorschriften nicht passen, werden sie eben passend gemacht.

Hamburg - Travis Kalanick (38) hätte genauso gut wieder von der Bildfläche verschwinden können. Sein erstes Tech-Start-up brachte ihm Klagen ein in Höhe von 250 Milliarden US-Dollar oder, wie Kalanick selbst lieber sagt, "einer Viertelbillion Dollar". Mit seinem zweiten Unternehmen wäre er fast im Gefängnis gelandet. Aber Kalanick ist noch da. Und wo er jetzt ist, ist meist oben.

So wie neulich auf der Bühne der Tech-Konferenz Code in Kalifornien, wo er mal wieder im perfekt geschnittenen grauen Anzug saß, den obersten Knopf des himmelblauen Hemdes offen, hochglanzpolierte schwarze Lackschuhe, eher der Typ Banker als ITler, und mal wieder machte, was er am besten kann: austeilen. "Wir befinden uns in einer politischen Kampagne, in der der Kandidat Uber heißt und der Gegner ein Arschloch namens Taxi", sagt er. Das Publikum schweigt, dann wird gelacht.

So läuft das jetzt mit ihm, dem CEO der Fahrdienst-App Uber und Schrecken des weltweiten Taxigewerbes von Seoul bis Hamburg. Mit Uber kann man sich per Smartphone private Fahrer bestellen, die den regulären Taxibetreibern Konkurrenz machen, sich selbst aber nicht als gewerbliche Fahrer sehen. Vor Kurzem hat Berlin den Dienst verboten, wie es schon zuvor die Hamburger versucht hatten, wo jetzt ein Gericht entscheiden soll, ob man hierzulande auch ohne Personenbeförderungsschein gegen Geld Passagiere fahren darf.

Ein Rollkommando, angeführt vom aggressivsten Mann der IT-Szene

Egal wie es ausgeht, aufhalten dürfte das Kalanick nicht: 1,2 Milliarden US-Dollar Kapital sammelte er im Juni für sein 2009 gegründetes Unternehmen ein. Uber wurde dabei mit 17 Milliarden Dollar taxiert, das ist weit mehr, als der Autovermieter Hertz an der Börse wert ist.

Außer Facebook Börsen-Chart zeigen wurde kein Unternehmen nach so kurzer Zeit von Wagniskapitalinvestoren so hoch gehandelt. Kalanick will das Geld nun in die globale Expansion stecken, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Uber bald auch in Ihrer Stadt vorfährt.

Angeführt wird das Rollkommando vom wohl aggressivsten Mann der gesamten IT-Szene. Einer, der auf das pfeift, was andere von ihm denken. Der einem Reporter des Männermagazins "GQ" verriet, Uber sei ein "Boob-er". Will heißen, dank des Erfolgs kann er sich auch Brüste (Boobs), also Frauen, kommen lassen. Der vor Investoren schon mal derart aufdreht ("Wagnisfinanziers sind nichts anderes als Huren und Betrüger"), dass ihn einer von denen in einer frühen Finanzierungsrunde für manisch hielt und sein Geld lieber behielt, aus Angst, Kalanick werde "es in Drogen investieren".

Der Investor bleibt lieber anonym, niemand will sich den heißesten Mann Kaliforniens zum Feind machen.

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