Montag, 11. Dezember 2017

Harte Hunde für Krisenunternehmen Was taugen Chefs, die das Unternehmen nicht kennen?

Management: Fremdenlegionäre
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DPA; Getty Images

Wenn's in Unternehmen nicht rundläuft, werden gern harte Hunde von außen geholt. Die sollen brutal und rücksichtslos aufräumen. In der Praxis funktioniert das nur selten.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 9/2017 des manager magazins, die Ende August erschien. Wir veröffentlichen Sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Feste Regeln und Machtstrukturen scheren Herbert Diess (58) wenig. Geflissentlich ignorierte der VW-Markenchef den nach langem Ringen mit dem Betriebsrat unterschriebenen Zukunftspakt. Er wollte die Zahl der Leiharbeiter zügiger reduzieren als ausgehandelt. Aus Protest blieben die düpierten Arbeitnehmervertreter der nächsten Aufsichtsratssitzung fern - ein unerhörter Vorgang. Diess war's egal, es kann ihm nie schnell genug gehen, dafür provoziert er auch mal gern.

Klaus Rosenfeld (51) dirigiert im Befehlston: Maßnahmen müssten "umgehend aufgesetzt" werden, Details liefere der "Rechtsunterzeichner", formulierte der Vorstandschef der Schaeffler AG Börsen-Chart zeigen im Frühjahr in einem Brief zur "strikten Kostendisziplin". Empfänger des zackigen Schreibens waren die Mitglieder des Executive Board - also die wichtigsten Führungskräfte des Familienkonzerns und nicht etwa subalterne Bereichsleiter.

Verletzend geschliffene Rhetorik beherrscht John Cryan (56) perfekt. "Wir wären weiter, wenn wir das, was wir in den vergangenen zwei Jahren getan haben, schon vor sechs oder sieben Jahren getan hätten", sagte der CEO der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen im Juli scheinbar selbstkritisch. Gemeint war mit der beißenden Kritik natürlich das Führungsteam des angeschlagenen Instituts. Der Redner selbst ist ja erst seit 2015 an Bord und tut endlich das Notwendige - so der Subtext, mit dem er den Deutschbankern ihr Versagen vorhielt. Was manchen noch mehr ärgert als harte Sparpläne oder gekürzte Boni.

Diess, Rosenfeld und Cryan: Radikal, rücksichtslos, rigide

Radikal, rücksichtslos, rigide: Diess, Rosenfeld und Cryan zählen zu einer Spezies von Managern, die sich seit der Finanzkrise in deutschen Vorstandsetagen so rasant verbreitet wie Partycrasher auf bei Facebook Börsen-Chart zeigen angekündigten Teenagerfeiern. Sie stürmen das Haus und machen ihr Ding.

Aufsichtsräte und Anteilseigner heuern Quereinsteiger an, weil sie den eigenen Leuten nicht genug Mut zur Veränderung zutrauen. Externe Kandidaten sollen aufräumen, alte Seilschaften kappen und verkrustete Strukturen aufbrechen - immer mit dem Auftrag, das Unternehmen umzukrempeln, anders zu machen. Rustikale Methoden werden dabei billigend in Kauf genommen; nicht selten sind sie gar gewünscht, um den Umbau zu beschleunigen.

Diess etwa stand bis zu seinem Amtsantritt im Sommer 2015 als Vorstandschef der Marke VW in Diensten von BMW. Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch lockte den Entwicklungschef, über dessen rigides Regiment manche in München noch heute schimpfen, mit doppeltem Gehalt plus fünf Millionen Euro Ablösesumme. Als harter Aufräumer sollte er die schwächelnde Kernmarke VW aufmischen und den mächtigen Arbeitnehmervertretern endlich mal Paroli bieten.

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