Montag, 11. Dezember 2017

Was macht eigentlich ... Torsten Oletzky - der Mann, der die Ergo war?

Torsten Oletzky, hier 2011 noch in Ergo-Tracht.

Als Ergo-Chef glücklos, ist er schon in recht jungen Jahren ausgestiegen - und genießt jetzt die Freiheit.

Torsten Oletzky (51) hinterlässt, anders als früher, einen sehr entspannten Eindruck. Er freut sich, in ein paar Tagen mit seiner Frau nach New York zu fliegen und einfach eine Woche in der Wohnung abzuhängen, die sie sich kürzlich gekauft haben. Wenn er in Deutschland ist, kümmert er sich um ein Berliner Fintech-Start-up, in das er als Business Angel eingestiegen ist, sowie um verschiedene Beratungsprojekte. Ab und an tritt er auch für das Institut für Versicherungsbetriebslehre an der Uni Hannover auf, für das er schon früher gelehrt hat.

Nach wie vor geht's in seinem beruflichen Leben um Versicherungen, aber ungebundener, und so tritt er auch auf. In Köln leitet er kommissarisch das InsurLab Germany, einen künftigen Anlaufpunkt für Start-ups, bezahlt von Konzernen, Hochschulen und IHK. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (63) will nach diesem Vorbild Kompetenzzentren für diverse Industrien aufbauen. "Das ist ein spannendes Projekt, das mir zugleich zeitliche Spielräume lässt", sagt Oletzky.

Freiheit ist ihm jetzt ziemlich wichtig, schließlich war er sehr früh sehr eingespannt. Mit 34 Jahren machte die Hamburg-Mannheimer den McKinsey-Berater zum Vorstand, mit 37 rückte er ins Topmanagement der Düsseldorfer Ergo auf, mit 41 schließlich stieg er zur Nummer eins des zweitgrößten deutschen Versicherers auf.

Dass er den Job mit 49 wieder aufgab, in einem Alter, in dem die meisten CEO-Karrieren erst losgehen, ist auch unglücklichem Timing geschuldet. Als er antrat, braute sich über der Industrie im Allgemeinen und über der Ergo im Besonderen der perfekte Sturm zusammen.

Die Zentralbanken fluteten die Welt mit billigem Geld und zerstörten damit das Geschäftsmodell der Lebensversicherer. Die Ergo traf es besonders hart, weil Oletzkys Vorgänger es versäumt hatten, den Konzern wetterfest zu machen. Als durchsickerte, dass die Ergo-Verkäufer (vor seiner Zeit als CEO) in der Budapester Gellert-Therme ihren Betriebsausflug samt Prostituierten gefeiert hatten, war der Ruf des gesamten Hauses dahin.

Noch fast drei Jahre lang hat er nach dem Skandalgewitter aufgeräumt und saniert. Bis er nicht mehr weiterkam. "Man muss den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg finden", sagt Oletzky heute. Anfang 2014 wurde er mit seinem Rücktrittsgesuch bei Nikolaus von Bomhard (61) vorstellig, als Chef der Konzernmutter Münchener Rück sein Oberaufseher.

Am 15. Januar 2016 verabschiedete er sich für ein Jahr nach New York. "Wenn ich mein Überstundenkonto völlig abgearbeitet hätte, wäre es noch viel länger geworden", sagt er. Daran, die Freiheit wieder aufzugeben, verschwendet er keinen Gedanken: "Stand heute finde ich die Vorstellung wenig attraktiv, in die alte Routine eines Vorstands zurückzukehren."




KÖLSCHE JUNG

In der Domstadt leben, in Düsseldorf arbeiten - die Schizophrenie vieler Kölner hat Torsten Oletzky abgelegt, als er sich vom Chefposten des Ergo-Konzerns zurückzog. Der Ex-McKinsey-Mann, Fan des 1. FC Köln, Marathon- läufer und Mitgründer eines SPD-Wirtschaftskreises war seit 2001 Vorstand bei unterschiedlichen Konzerntöchtern der Münchener Rück. Von 2008 bis 2015 steuerte er für den Chef des weltgrößten Rückversicherers Nikolaus von Bomhard (Foto, r.) die Ergo. Mit 49 war Schluss. Es folgte eine Auszeit in New York Heute ist er freischaffender Consultant.

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