Mittwoch, 19. Dezember 2018

Ex-Ministerpräsident Was macht eigentlich ... Stefan Mappus?

Was macht eigentlich: Steffan Mappus
picture alliance / Markus C. Hur

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident hat sich in einen IT-Experten und soliden Manager verwandelt.

Stefan Mappus (51) gehört zu den wenigen Menschen, die auch üble Niederlagen scheinbar unbeschadet wegstecken. An diesem Märzabend sitzt ein gut gelaunter, rundum properer Mann im "Bayerischen Hof" zu München, erfreut sich an einem Wiener Schnitzel und einem Glas Shiraz und sagt, er sei eher so ein "Jetzt-erst-recht-Typ". Seine Abwahl als Ministerpräsident von Baden-Württemberg, das elend lange Verfahren wegen des überteuerten Kaufs von Aktien des heimischen Energieversorgers EnBW - schön war das natürlich nicht. Andererseits habe er "nie von der Politik abhängig sein" wollen. Als Manager muss er nun nur noch an fünf statt sieben Tagen in der Woche arbeiten und hat mehr Zeit für Susanne, seine "sensationelle Frau".

Ja, das ist derselbe Stefan Mappus, der mit 39 Jahren um jeden Preis Fraktionschef in Stuttgart werden wollte und wurde und bald darauf ein Regierungschef, der jeden Widerstand niederrollte wie die Bagger den alten Stuttgarter Hauptbahnhof. So unbeweglich er früher schien, so geschickt hat er sich in seinem neuen Leben zurechtgefunden.

Seit März 2015 ist der Diplomökonom Vorstand beim IT-Beratungshaus PMOne in München, ein gut beleumundeter Mittel- ständler mit 240 Mitarbeitern. Dort kümmert er sich um Finanzen, Personal, Beteiligungen und Partnermanagement und soll seine Sache gut machen, wie man hört.


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Die Firma wertet Daten aus und wächst damit jedes Jahr um 15 bis 20 Prozent. Die Themen begeistern Mappus sichtlich: Aufzüge, die selbst melden, wann sie gewartet werden müssen; Krebsforschung an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf; Marketing für TuiFly. "Wir haben noch viel vor mit PMOne." Und, gelernt ist gelernt als Politiker, er sieht auch hinter der kleinen die ganz große Aufgabe: "Wir wollen dazu beitragen, dass Deutschland ein Digitalisierungsgewinner wird."

Einen Traum hat er ebenfalls noch: Mal ganz woanders leben als im heimischen Pforzheim. Solange das nicht geht, gönnt er sich andere Freiheiten: beispielsweise für einen Tag mit Freunden in seiner privaten Cessna nach Venedig fliegen.

Fast hätte ihn 2011 der Darmstädter Pharmakonzern Merck als Brasilien-Chef engagiert, nahm dann aber wieder Abstand von dem Vorhaben, weil gegen ihn wegen des teuren Kaufs des Stromversorgers EnBW ermittelt wurde. Ärgerlich, aber ein Mappus steckt das weg. Die schockierenden Erlebnisse rund um die verlorene baden-württembergische Landtagswahl 2011 haben ihn ganz offensichtlich gelehrt, Vergangenes abzulegen wie eine bearbeitete Akte.

Im Moment sei er "wunschlos glücklich", behauptet Mappus. Und nein, er plane kein Comeback in der Politik. "Ich habe derzeit kein Bedürfnis, mich zu verändern. In meiner Position fühle ich mich sehr wohl."

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