Samstag, 25. Juni 2016

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Wachwechsel in der Medienbranche Die neuen Verleger

Medien: Diese Jungunternehmer wirbeln die Branche durcheinander
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AFP

Eine wilde Mischung aus Ex-Bankern und Jungunternehmern wirbelt die Branche durcheinander. Die Websites ziehen frisches Publikum an - und jede Menge altes Geld.

Robert Allbritton (47) fliegt selbst. Wenn er zum Skifahren nach Colorado will oder zum Meeting nach Berlin, setzt er sich ins Cockpit des Familienjets und düst los. "Eine frühe Leidenschaft von mir", sagt Allbritton.

Seit April 2015 gehört auch Brüssel zu seinen Lieblingszielen. Touristisch hält er nicht viel von der Stadt ("eher langweilig"), aber geschäftlich ist sie ein zentraler Pfeiler seiner Strategie: Der Mann will politischen Qualitätsjournalismus im Internet weltweit zu Geld machen.

Allbritton hat in Brüssel gemeinsam mit dem Axel Springer-Verlag Börsen-Chart zeigen eine europäische Version seiner Website Politico aufgezogen. 40 Journalisten produzieren seitdem Nachrichten für EU-Insider - investigativ und saftig erzählt. Die elitäre Leserschaft aus Beamten, Abgeordneten und Lobbyisten verspricht solide Werbeeinnahmen, zusätzliche Euros kommen über eine wöchentliche Printausgabe, Konferenzen und hochpreisige Nischen-Newsletter herein.

In den USA ist Politico mit diesem Modell zur wichtigsten Nachrichtenquelle für Politikjunkies aufgestiegen. Anders als viele schrumpfende Printkoryphäen wirft das Portal wachsende Gewinne ab. Einen Pulitzer-Preis konnte es ebenfalls schon einheimsen, und Chefkorrespondent Mike Allen gilt mit seinem Newsletter Playbook als einflussreichster Hofberichterstatter D. C.s.

Politik ist eine der besten Shows der Welt – und wir haben einen Platz in der ersten Reihe."

Robert Allbritton, Herausgeber von Politico

Zwar kündigten Allen und andere Topkräfte Ende Januar an, die Seite nach der Präsidentschaftswahl verlassen zu wollen. Allbritton verspricht im Gegenzug aber Investitionen in Millionenhöhe, damit Politico "weiter wächst". Auch in Brüssel, wo er die Belegschaft um mehr als 50 Prozent aufstocken will.

Der Herausgeber sieht aus wie ein gealterter Musterschüler. Das bubenhafte Professorenlächeln unter der braven Brille täuscht indes - Allbritton ist enorm wagemutig, Brüssel nur das erste Fähnchen seiner breit angelegten Expansionsoffensive. Sukzessive will er in die globalen Machtzentren vordringen.

Für Allbritton ist Politik nicht bloß Content, sondern eine elektrisierende Melange aus Einfluss, Geld und starken Persönlichkeiten. Wenn er aus seinem Büro im 27. Stock über den Potomac River nach Washington blickt, sieht er "eine der besten Shows der Welt". Und er will einen Platz in der ersten Reihe.

Allbrittons Vater Joe kam einst aus Texas nach Washington, kaufte Zeitungen und Fernsehstationen. Lange Zeit war das ein lukratives Geschäft. Doch Sohn Robert brach mit diesem Erbe und bot im Sommer 2014 die letzten TV-Kanäle der Familie feil. Den Erlös von fast einer Milliarde Dollar steckt er nun in den Siegeszug von Politico.

"Robert hat eine Vision, Mut und Geld - und weiß all das auch zu benutzen", sagte der leitende Politico-Redakteur Jim VandeHei einmal über seinen Chef.

Allbritton gehört zu den Protagonisten einer neuen Verlegergeneration, die voll auf die Digitalisierung setzt - und damit bereits beachtliche Erfolge feiert. Websites wie Politico, Vice, Buzzfeed oder Vox haben sich in den USA von belächelten Klickmaschinen zu ernsthaften Rivalen der traditionellen Medienhäuser entwickelt. Während die Umsätze klassischer Verlage teils lebensbedrohlich schrumpfen, schwingen sich die Newcomer in immer neue Höhen auf.

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