Montag, 11. Dezember 2017

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Wie Spielerberater Volker Struth das Fußball-Geschäft reformieren will Der Spielmacher der Bundesliga

Tore kosten Geld: Wie Spielerberater die Liga dominieren
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Felix Gemein für managaer magazin

Bundesligamanager brauchen Volker Struth wie die Luft zum Atmen und zahlen teuer dafür. Jetzt will der Spielerberater seine skandalreiche Branche reformieren - Porträt eines Mannes auf heikler Mission.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 1/2017 des manager magazins, die Ende Dezember erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

An einem Freitag Mitte November macht Volker Struth (50) einen Besuch bei seinem ältesten Kunden. Der hat sich in der Nähe von Köln ein neues Haus gekauft, und sein Nachwuchs ist auch erst wenige Wochen alt.

Am nächsten Tag, es läuft die 91. Spielminute im Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln, jagt Struths Kunde den Ball aus 33 Metern ins Tor. Köln siegt 2:1, die FC-Fans taufen den Torschützen Marcel Risse "Fußballgott".

Struth ist zwar auch Kölner und FC-Fan. Aber für den Spielerberater bedeutet der Kunstschuss vor allem, dass die anstehenden Verhandlungen mit FC-Sportdirektor Jörg Schmadtke um Risses nächsten Vertrag leichter geworden sind.

Hinter jedem Bundesligaspieler steht ein Spielerberater. Er entscheidet über die wichtigste Ressource und deren Preis im Milliardengeschäft mit dem Ball. Männer wie Struth sind die heimlichen Herrscher der Fußballwelt. Ihre Macht ist immens: Würden die Regeln des Ballsports im Dax gelten, müssten Siemens oder Bayer bei Headhuntern wie Egon Zehnder oder Spencer Stuart katzbuckeln, um neue Vorstände einstellen zu dürfen.

Hinter jedem Spieler steht ein Berater - deshalb sind sie gefürchtet

Für viele Klubmanager sind die Berater wie Torwächter, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Deshalb wagt auch kaum einer der großen Fußballverantwortlichen, offen über die Berater zu sprechen - zu groß scheint die Sorge, es sich mit den Spielmachern zu verscherzen.

Volker Struth gehört zur absoluten Spitze dieser Gilde. In nur zehn Jahren hat er es mit seiner Agentur SportsTotal zur Nummer eins in Deutschland gebracht und unter die Top Four in Europa. Er vertritt Weltmeister wie Toni Kroos (Real Madrid) und Topstürmer wie Marco Reus (Borussia Dortmund). 2015 kürte das US-Magazin "Forbes" Struth zu einem der fünf einflussreichsten Sportleragenten der Welt.

Bis zu 150 Spiele besucht er pro Jahr. Risses goldenes Tor in Gladbach hört er im Radio, da sitzt er schon im Auto, fährt zum Schlagerspiel Borussia Dortmund gegen Bayern München am selben Abend. Freitag war er in Leverkusen bei der Partie gegen Leipzig, Sonntag schaut er sich Hoffenheim gegen Hamburg an.

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