Montag, 21. Januar 2019

Robo-Berater statt Privatbank Geld anlegen wie die Quandts - zum Kampfpreis

Gabriele Quandt: Die Quandt-Erbin hat ihr Family Office elektrifiziert. Robo-Berater bieten Anlagestrategien zum Kampfpreis und setzen Privatbanken zu. Davon können auch Privatanleger profitieren
Getty Images
Gabriele Quandt: Die Quandt-Erbin hat ihr Family Office elektrifiziert. Robo-Berater bieten Anlagestrategien zum Kampfpreis und setzen Privatbanken zu. Davon können auch Privatanleger profitieren

2. Teil: Robos, die wie Menschen denken

Für den Testbetrieb von Liqid gewann HQ Trust Vorstände börsennotierter Unternehmen sowie Berater und Anwälte. Einer der Kunden und Investoren ist der ehemalige Metro-Chef Eckhard Cordes (65). "Ich war auf der Suche nach Geldanlagealternativen, und in den USA sind Robo-Advisors ja sehr erfolgreich", sagt Cordes. Vor allem der Zugriff auf die Investmentkompetenz des Milliardärsclans überzeugte ihn: "Die Verbindung mit HQ Trust hat die Entscheidung natürlich erleichtert."

Die Kombination von Geldanlage- und Digitalkompetenz ist für viele Wohlhabende verlockend. Bereits 2020 werden 450 Milliarden Dollar von Finanzrobotern verwaltet, prognostiziert das Schweizer Analysehaus My Private Banking Research. Und in der Studie sind viele Neuentwicklungen bislang gar nicht berücksichtigt.

Noch gehören die meisten Robos zur - relativ simplen - Generation 1.0. Sie verteilen das Geld, je nach Risikotoleranz des Kunden, zu festen Anteilen auf Aktien und Anleihen. Das Depot wird nur angepasst ("Rebalancing"), wenn die festgelegte Quote etwa durch eine Aktienrallye aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Die Renditemaschinen der zweiten Generation reagieren dagegen dynamisch auf Marktentwicklungen. Sie folgen keinen starren Anlagequoten, sondern schichten das Kapital flexibel um, gesteuert von komplexen Finanzmodellen, die oft von Investmentbanken und Hedgefonds stammen. Bei den Cyborg-Beratern arbeiten hinter der Weboberfläche Mensch und Maschine gemeinsam, das heißt, die Programme werden ergänzt und gesteuert von Investmentkomitees, die mit Ökonomen und Portfoliomanagern besetzt sind. Anders als früher können diese Spezialisten nicht mehr nur ein paar Dutzend Kunden betreuen, sondern Zehntausende.

manager magazin

Die neue Ära hat gerade erst begonnen. Hierzulande haben in diesem Winter mehrere Robo-Berater der zweiten Generation die Testphase abgeschlossen. Bereits im Vollbetrieb laufen Whitebox aus Weil am Rhein und seit Anfang Februar Scalable Capital aus München, beide verfügen über ausgefeilte Anlage- und Risikomodelle.

Das Fin-Tech-Start-up Scalable entspringt der Idee einer Handvoll ehemaliger Goldman-Sachs-Jungbanker, die fest an ihre Mathestreber-Überlegenheit glauben. Trotz schwieriger Startbedingungen: Das Start-up logierte anfangs über dem "New York Tabledance"-Klub am Münchener Ostbahnhof. Eine eher Bafin-unfreundliche Adresse, witzelt Erik Podzuweit (35), einer der Gründer. Die Lizenz zur Vermögensverwaltung bekam er trotzdem.

Mittlerweile ist Scalable umgezogen in die noble Prinzregentenstraße, das macht in der Signatur einfach mehr her. Podzuweit, ein passionierter Rugbyspieler, führt durch die hellen, größtenteils noch leeren Büros. Es ist 9 Uhr, die Robo-Dompteure schlafen noch. Es geht nüchtern zu, Nerf Guns und ähnlich infantiles Start-up-Inventar sucht man vergebens. Den Hausjuristen warb Scalable von Freshfields ab.

Das Gründerteam aus vier Goldman-Alumni und Stefan Mittnik (61), einem Ökonomieprofessor aus München, hat die Einstiegsschwelle niedrig gesetzt: 10.000 Euro reichen aus, um ein Kundenkonto zu eröffnen. Das Kalkül scheint aufzugehen: Seit dem Start mit Pilotkunden im vergangenen Dezember sollen bereits mehrere Millionen Euro auf die Konten geflossen sein, die Scalable bei der Baader Bank für seine Investoren einrichtet. Laut Podzuweit sind die meisten Akademiker, jeder Fünfte trägt einen Doktortitel.

© manager magazin 3/2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung