Montag, 30. Mai 2016

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Buchtipp zu Ostern Mythos Superfrau

Mutti macht Karriere, den Rest macht die Nanny: So läuft es auch bei US-Moderatorin Dayna Devon

Weg mit den modernen weiblichen Lebenslügen, fordert Anne-Marie Slaughter in ihrem neuen Buch. Dazu demontiert die Vertraute von US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sogar vermeintliche Überfrauen wie Sheryl Sandberg und Marissa Mayer.

Buchtipp

Anne-Marie Slaughter
Unfinished Business: Women, Men, Work, Family


Campus, 352 Seiten, gebunden, 26,70 Euro

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Anne-Marie Slaughter gilt als Verräterin des Feminismus, seit sie 2012 in einem Artikel für das Magazin "The Atlantic" behauptete, dass eine zeitraubende Karriere und die Sorge für eine Familie nicht immer gut zusammenpassen. Dabei hatte sie nur von eigenen Erfahrungen berichtet: Die Harvard- und Princeton-Professorin leitete als erste Frau den Planungsstab des US-Außenministeriums - und entschied sich dann wegen der Pubertätskrise eines ihrer Söhne, Washington den Rücken zu kehren.

Dank ihrer Ehrlichkeit war Slaughter gesellschaftlich unten durch: Obwohl sie - zurück in Princeton, wo ihre Familie lebt - wieder eine volle Professorenstelle übernahm, galt sie fortan als Heimchen am Herd.

Diese Schmach will die Vertraute von US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton nicht auf sich sitzen lassen. In ihrem Buch entwirft sie nun eine Gesellschaft, die die temporäre Übernahme von Verantwortung in der Familie nicht länger abwertet: Männer sollten nicht schon als superfortschrittlich beklatscht werden, wenn sie abends mal babysitten und den täglichen Vereinbarkeitswahnsinn ansonsten ihren Frauen überlassen. Fürsorgeberufe sollten besser bezahlt werden, seit den Kita-Streiks auch ein deutsches Thema.

Anne-Marie Slaughter
Vor allem aber geht es der Autorin um die Entsorgung moderner weiblicher Lebenslügen, die jedes Abweichen vom ursprünglichen Karriereplan als Niederlage abstrafen. Sie demontiert Überfrauen wie Sheryl Sandberg und Marissa Mayer, die ihre Freiheit im Topjob mit Millionengehältern finanzieren; und sie kritisiert den Eifer, mit dem Sandberg und Co. Männerkarrieren anpreisen. Die klassische Welt der Firmenkarriere sei "antiquiert und kaputt", sagt Slaughter und fordert neue Werte sowie mehr Flexibilität.

Für US-Leserinnen, die nicht einmal bezahlte Elternzeit kennen, ein nahezu revolutionäres Buch. Für deutsche Businessfrauen entspannende Lektüre: Die Mädels da drüben haben auch nicht immer alles im Griff.

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