Dienstag, 28. Juni 2016

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Fußball-Rekordmeister muss zum Global Player werden Wer san mia? - Der FC Bayern im Umbruch

Allianz Arena in München: "Edmund, wir brauchen ein neues Stadion"
Bernd Ducke/Allianz Arena
Allianz Arena in München: "Edmund, wir brauchen ein neues Stadion"

Uli Hoeneß fehlt dem deutschen Rekordmeister - gerade jetzt. Topspieler werden immer teurer, die internationale Konkurrenz droht davonzuziehen. Der Klub muss den Sprung zum Global Player schaffen.

Früher knallten in der Vorstandsetage des FC Bayern München öfter mal die Türen. Dann hörte man Uli Hoeneß (63) knurren: "Mach doch, was du willst." Die lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Klubpräsident Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (59) gehörten zum FC Bayern wie der Ball zum Spiel. Gab es ein Problem, fetzten sich die beiden oft so lange, bis eine Lösung gefunden war. Danach redeten sie bisweilen tagelang kein Wort mehr miteinander.

Emotio gegen Ratio - die beiden Alphatiere prägten den FC Bayern viele Jahre lang. Inzwischen ist es still geworden im zweiten Stock der Bayern-Zentrale. Vorstandschef Rummenigge schreitet wortlos über den blaugrauen Teppich mit weißen FC-Bayern-Logos. Er kommt gerade aus dem Urlaub auf Sylt zurück. Sein Teint ist gebräunt, der Blick grimmig. Auch in den Ferien hing Rummenigge ständig am Telefon.

In der heißen Phase der Transferperiode stehen folgenschwere Entscheidungen an. Manchester United (ManU) interessierte sich für Bayern-Stürmer Thomas Müller, englische Medien sprachen von einem Gebot über unglaubliche 82 Millionen Euro. Den Abgang eines zweiten Publikumslieblings kann sich Rummenigge aber kaum erlauben: "Wir werden keinen Spieler mehr an Manchester United abgeben."

Uli kann man nicht
ersetzen."
Karl-Heinz Rummenigge
Schon nach dem Wechsel von Mittelfeldstar Bastian Schweinsteiger zu ManU tobte ein Shitstorm durch die bayerischen Fanforen. Einige Anhänger hielten Rummenigge vor, er verscherble die Seele des Klubs. Ein häufiger Kommentar: Unter Hoeneß hätte es das nicht gegeben.

Rummenigge lässt sich in einen Ledersessel fallen und seufzt. Er ist auf sich allein gestellt, Mitte 2014 musste Hoeneß wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis. Das Büro des Ex-Präsidenten, das Hoeneß als Freigänger jetzt wieder täglich aufsucht, ist abgedunkelt und geschlossen. Aus den großen Fragen hält Hoeneß sich heraus, keinesfalls will er gegen die Auflagen der Justiz verstoßen. "Die hitzigen Debatten mit Uli Hoeneß fehlen mir", sagt Rummenigge.

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Gerade jetzt wäre ihm der Patriarch eine große Hilfe mit seiner Erfahrung, seinem Charisma. Der FC Bayern erlebt die wohl größte Zäsur seit den 70er Jahren, personell wie wirtschaftlich. Er muss den Sprung schaffen vom regional verankerten Mittelständler zum globalen Konzern. Oder er wird - international betrachtet - nach hinten durchgereicht.

In Deutschland mag der FC Bayern so dominant sein wie nie zuvor. Mit rund einer halben Milliarde Euro Umsatz nimmt der Rekordmeister fast doppelt so viel ein wie Borussia Dortmund. In der globalen Finanzliga hingegen drohen die Bayern abgehängt zu werden. Die Megadeals der vergangenen Jahre wurden fast ausschließlich von Vereinen aus Spanien, England oder Frankreich getätigt.

Topklubs wie Manchester United, Real Madrid oder FC Barcelona steigern ihre Einnahmen - vor allem aus der Vermarktung von TV-Rechten - in immer neue Rekordhöhen. So können sie sich Transfers für 90 Millionen Euro und mehr leisten, Spitzengehälter zahlen - und dem FC Bayern die besten Spieler abwerben. Die Münchener investierten bislang maximal 30 bis 40 Millionen Euro in Spieler wie Arturo Vidal oder Douglas Costa. So viel geben Engländer und Spanier inzwischen für Mittelklassekicker aus.

Während die Bayern noch stark im Heimatmarkt verwurzelt sind, haben europäische Rivalen längst neue Märkte erobert, wie die USA oder China. "Wir müssen uns internationaler aufstellen", fordert Rummenigge, "denn die Masse der Sponsoringgelder konzentriert sich auf immer weniger große Klubs." Der ökonomische Aufstieg zum Global Player wäre der Beweis, dass der FC Bayern auch ohne Uli Hoeneß funktioniert.

Hätte es den gebürtigen Ulmer nicht gegeben, wäre Bayern München wohl noch immer ein Provinzverein. Als Hoeneß 1979 ins Management des FC Bayern einstieg, hatte der Verein sieben Millionen Mark Schulden - bei einem Umsatz von zwölf Millionen Mark. Um den maroden Klub zu retten, verkaufte der Ex-Fußballer zwar nicht seine Mutter, aber einen Freund: Bayern-Stürmer Karl-Heinz Rummenigge wechselte für die damalige Rekordsumme von 11,4 Millionen Mark zu Inter Mailand.

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