Dienstag, 19. März 2019

Fußball-Rekordmeister muss zum Global Player werden Wer san mia? - Der FC Bayern im Umbruch

Allianz Arena in München: "Edmund, wir brauchen ein neues Stadion"
Bernd Ducke/Allianz Arena
Allianz Arena in München: "Edmund, wir brauchen ein neues Stadion"

6. Teil: Lahm soll ins Management

Heiko Vogel, der einst den Champions-League-Teilnehmer FC Basel trainierte und heute eng mit Hoeneß zusammenarbeitet, macht bei dem Patriarchen schon wieder eine "enorme Neugier" aus: "Er möchte über alles Bescheid wissen."

Hoeneß scheint also fast wieder der Alte zu sein. Im Frühjahr 2016 kann er damit rechnen, auf Bewährung ganz aus dem Gefängnis zu kommen. Wird er sich dann auch wieder voll im Klub engagieren? Im Aufsichtsrat hat Hoeneß immer noch mächtige Verbündete. Einige, die Kontakt zu ihm pflegen, mögen aber nicht so recht an eine Rückkehr in den alten Job glauben. Hoeneß selbst habe noch keine Entscheidung getroffen, heißt es.

Sein Nachfolger als Präsident und Aufsichtsratschef, Karl Hopfner, will sich ganz aus dem Tagesgeschäft heraushalten. Somit bleibt Karl-Heinz Rummenigge als Einziger aus der alten Garde in der Verantwortung. Im September wird er 60 Jahre alt. Ende 2016 läuft sein Vertrag aus. Hopfner hat ihn schon gefragt, ob er weitermachen will. Er tendiert in Richtung Verlängerung.

Der Klub braucht in dieser Phase Erfahrung und Know-how. Dem fünfsprachigen Rummenigge wird attestiert, er habe deutlich an Statur gewonnen. Trotzdem gibt es in der Führung bereits Gedankenspiele, wer den Altmeister einmal ersetzen kann. Es soll niemand von einem anderen Verein oder gar aus einer anderen Branche sein. Idealerweise findet sich ein ehemaliger Spieler für den CEO-Posten. Einer mit Stallgeruch, eine Identifikationsfigur, ein eloquenter Stratege.

Die teuersten Spielertransfers der vergangenen Jahre (Auswahl)
Was die Konkurrenz ausgibt ...

94 Mio. Euro
Cristiano Ronaldo (Real Madrid)

91 Mio. Euro
Gareth Bale (Real Madrid)

86 Mio. Euro
Neymar (FC Barcelona, u. l.)

80 Mio. Euro
James Rodríguez (Real Madrid)

75 Mio. Euro
Luis Suárez (FC Barcelona)

75 Mio. Euro
Ángel Di María (Manchester United)

64 Mio. Euro
Edinson Cavani (Paris Saint-Germain)

62 Mio. Euro
Raheem Sterling (Manchester City)

55 Mio. Euro
Hulk (Zenit St. Petersburg)

50 Mio. Euro
Mesut Özil (FC Arsenal)

... und was die Bayern sich leisten

40 Mio. Euro
Javi Martínez

37 Mio. Euro
Mario Götze

35 Mio. Euro
Arturo Vidal

30 Mio. Euro
Douglas Costa

Matthias Sammer (47), derzeit Sportvorstand, denkt strategisch, kann reden, tut das aber oft so verquer, dass ihn auch Vorstandskollegen manchmal nicht verstehen. Der Sachse Sammer fremdelt immer noch mit den Bayern und die Fans mit ihm. Zudem strebe er das Amt des Vorstandschefs auch gar nicht an, wird kolportiert.

So reduziert sich die Anwärterschar auf ein paar wenige, noch aktive Spieler. Rummenigge selbst nennt vier Namen: Bastian Schweinsteiger (30), Thomas Müller (25), Manuel Neuer (29) und Philipp Lahm (31).

Als Favorit gilt vielen Lahm, ein gebürtiger Münchener, gradlinig, mit strategischem Instinkt. Der Bayern-Kapitän wird von seinem Berater Roman Grill bereits abseits des Rasens aufgebaut. Und er trainiert seine wirtschaftlichen Fähigkeiten: An der Pflegemittelfirma Sixtus hat er sich beteiligt, für die Modemarke Bogner mitgeboten und eine Stiftung gegründet.

Rummenigge lockt mit einer Lehrzeit: "Der Nachwuchs muss nicht von Anfang an in der ersten Reihe stehen, man kann ihn ja auch eine Zeit lang ausbilden." Der doppelte Vorteil für ihn bei einer solchen Konstellation: Er hätte noch das Sagen - und endlich wieder ein sportlich kompetentes Pendant.

Wie früher wird es trotzdem nicht. "Einen Uli Hoeneß", sagt Rummenigge, "kann man nicht ersetzen."

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