Samstag, 23. März 2019

Fußball-Rekordmeister muss zum Global Player werden Wer san mia? - Der FC Bayern im Umbruch

Allianz Arena in München: "Edmund, wir brauchen ein neues Stadion"
Bernd Ducke/Allianz Arena
Allianz Arena in München: "Edmund, wir brauchen ein neues Stadion"

3. Teil: Ein Topbanker als Finanzchef

Der FC Bayern hingegen wollte die Sitten und Gebräuche eines Familienbetriebs nie ganz ablegen. Das fängt bei der Personalauswahl an: Gute Aufstiegschancen haben loyale Ex-Profis, Leute wie Hansi Pflügler, der heute die Fanshops verantwortet. Oder Sprösslinge von Bayern-Legenden wie Paul Breitner, dessen Sohn Max in der Pressestelle arbeitet. Benjamin Hoeneß, ein Neffe des Patriarchen, ist für Sponsoring und Events zuständig.

Auch die Führungskultur blieb bis zuletzt recht unkonventionell. 2012 diskutierte der Klub den bislang teuersten Transfer der Vereinsgeschichte so hemdsärmelig, als ginge es um den Kauf eines neuen Rasenmähers. Für 40 Millionen Euro war der spanische Mittelfeldspieler Javi Martínez zu haben. Alle Anwesenden - neben Hoeneß, Hopfner und Rummenigge auch Sportvorstand Matthias Sammer und der damalige Trainer Jupp Heynckes - zauderten.

Dann fragte Rummenigge unvermittelt: "Jupp, bringt uns der Spieler denn qualitativ weiter?"

Heynckes: "Ja."

Daraufhin hob Rummenigge spontan die rechte Hand. Die anderen taten es ihm nach. Ende der Diskussion. Es war das erste Mal in der jüngeren Vereinsgeschichte, dass so etwas wie eine Abstimmung stattfand.

Doch die Zeiten des saloppen Family Business gehen ihrem Ende entgegen. Mit dem Hoeneß-Rückzug wandelt sich auch der FC Bayern zum managergeführten Konzern, der mit den Vorstandschefs von Adidas, Audi, Telekom und Volkswagen bereits einen hochkarätig besetzten Aufsichtsrat hat.

2013 erweiterte der FC Bayern sein Management. Vom Wettanbieter Bwin kam Jörg Wacker (47), neuer Vorstand für Internationales. Zum Marketingchef wurde Andreas Jung (53) ernannt, eine treue Führungskraft. Der erfahrenste Mann ist Finanzchef Jan-Christian Dreesen (47), früher Vorstand der HypoVereinsbank und der BayernLB. Dass ein Banker seines Kalibers für einen Bundesligaverein arbeitet, ist das Verdienst von Uli Hoeneß. Der hat Dreesen verpflichtet.

Mit seiner forschen Art fordert Dreesen Vorstandschef Rummenigge in Wirtschaftsfragen immer mal wieder heraus. Mindestens einmal waren sich die beiden nicht ganz einig, als Dreesen verkündete, der FC Bayern könne sich auch einen 100-Millionen-Euro-Transfer leisten. Rummenigge pfiff seinen Fi-nanzer öffentlich zurück: Bayern werde "definitiv keinen Spieler für 100 Millionen Euro holen".

Beim wichtigsten Thema Fußball fehlt Rummenigge indes der Sparringspartner. Auf sportlicher Ebene ist Trainer Pep Guardiola zuständig, doch der begreift sich als unabhängiger Einzelkämpfer. Sein Verbleib im Verein über den Juni 2016 hinaus ist ohnehin ungewiss.

Es liegt also vor allem an Rummenigge, den FC Bayern neu auszurichten: noch erfolgreicher, wirtschaftskräftiger, internationaler. Auch die Rolle des machtbewussten Polterers, die über Jahre Uli Hoeneß, dem selbst ernannten Anführer der "Abteilung Attacke", vorbehalten war, muss Rummenigge nun mit ausfüllen.

Zum nächsten Vorstoß holt er bereits aus: Die Verteilung der TV-Gelder findet Rummenigge hochgradig ungerecht.

Die Bayern erhalten jährlich gut 50 Millionen Euro und damit weniger Fernsehgelder als der Tabellenletzte der Premier League: Die Queens Park Rangers bekamen etwa 86 Millionen Euro, Meister FC Chelsea 135 Millionen. Die beiden spanischen Spitzenklubs strichen je rund 140 Millionen ein.

© manager magazin 8/2015
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