Donnerstag, 21. März 2019

Fußball-Rekordmeister muss zum Global Player werden Wer san mia? - Der FC Bayern im Umbruch

Allianz Arena in München: "Edmund, wir brauchen ein neues Stadion"
Bernd Ducke/Allianz Arena
Allianz Arena in München: "Edmund, wir brauchen ein neues Stadion"

2. Teil: "Das Risiko muss immer überschaubar sein"

Rummenigge und Hoeneß hatten sich früher bei Auswärtsspielen ein Doppelzimmer geteilt. Vertraute sagen, Hoeneß sei seinem ehemaligen Teamkollegen bis heute dankbar, dass er sich auf den Deal eingelassen hat.

Bei der Sanierung der Vereinskasse half auch Karl Hopfner (62). Der hat zwar zwei linke Füße, aber ein gutes Gespür für Zahlen. Aus rund 150 Bewerbern wählte der FC Bayern ihn als Geschäftsführer neben dem Manager Hoeneß aus. Unter seiner Ägide hat Bayern München nie wieder mehr ausgegeben als eingenommen. Das Motto des Finanzers: "Das Risiko muss immer überschaubar sein."

1991 kam Rummenigge zurück zum FCB, zunächst als Vizepräsident. Neben dem hitzig, bisweilen cholerisch auftretenden Hoeneß profilierte sich der spröde Rummenigge als "Außenminister". Mit ihm reiste Hoeneß nach Manchester, um den Fanshop am Stadion Old Trafford zu inspizieren. Bei Real Madrid holten sie sich Anregungen für Sponsoringdeals. Die Verantwortlichen öffneten ihnen alle Türen.

Im heimischen Bayern waren die Vereinsbosse schon damals kleine Könige. Um die wirtschaftliche Expansion des Klubs zu beschleunigen, brauchte der Netzwerker Hoeneß nur seine Spezln in Wirtschaft und Politik anzurufen.

Als ihm das Olympiastadion zu altmodisch wurde, ließ Hoeneß den damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber wissen: "Edmund, wir brauchen ein neues Stadion." Hoeneß' verwegene Idee: Er wollte aus dem Samstagsspieltag ein Event machen. Ganze Familien sollten bereits morgens ins Stadion kommen, erst abends wieder gehen und in der Zwischenzeit möglichst viel konsumieren. Stoiber äußerte Skepsis - und kassierte einen Rüffel von Hoeneß: "Du hast ja keine Ahnung."

"Der Erfolg des FC Bayern ist zu 80 Prozent Uli Hoeneß zu verdanken"

Als der - von Stoiber zunächst favorisierte - Umbau des Olympiastadions am Widerstand des Architekten scheiterte, stiegen die Chancen für eine Arena. Stoiber machte sich öffentlich für das Projekt stark. Er besorgte dem neuen Bayern-Palast sogar einen Sponsor: Als Siemens absagte, bequatschte Stoiber den damaligen Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle, die Namensrechte am Stadion zu kaufen - gegen Widerstände aus dem Konzernvorstand. Auch Michael Diekmann, Schulte-Noelles Nachfolger, war gegen das Investment.

Heute bestreitet niemand mehr, dass der Neubau ein Volltreffer war. Die 75.000 Plätze der Arena sind bei jedem Bayern-Heimspiel ausverkauft. Die Allianz hat den Vertrag über die Namensrechte inzwischen bis 2041 verlängert. Und Stoiber - 1966 dem FC Bayern und erst 1971 der CSU beigetreten - schwärmt: "Der Erfolg des FC Bayern ist zu 80 Prozent Uli Hoeneß zu verdanken."

Um das neue Stadion zu finanzieren, zettelte Hoeneß eine kleine Revolution an. Erstmals verkaufte ein Bundesligaklub Anteile an mehrere potente Geldgeber. Adidas, Audi und Allianz halten heute je 8,3 Prozent an der Bayern München AG. Insgesamt bezahlten die Konzerne für diese Aktienpakete 277 Millionen Euro.

In der Bundesliga gilt das anfangs umstrittene Beteiligungsmodell des FC Bayern inzwischen als vorbildlich. Mancher internationale Klub ging jedoch noch deutlich weiter. Manchester United, Schweinsteigers neuer Verein, wurde 2005 an den US-Sportunternehmer Malcolm Glazer verkauft. Der zahlte 1,2 Milliarden Euro und brachte ManU an die Börse. Heutige Marktkapitalisierung: 2,6 Milliarden Euro.

Glazer baute ManU von Grund auf um, er installierte den J.-P.-Morgan-Banker Ed Woodward als starken Mann in der Klubführung. Das neue Management eröffnete Auslandsbüros und startete systematisch die Akquise von Sponsoren in Asien und den USA. "ManU wird rationeller und professioneller geführt als die meisten Bundesligaklubs", sagt der Manager eines großen Sponsors.

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